Kagyu Samye Dzong Kirchheim e.V.

Das Ngöndro

Was bedeutet Ngondro-Praxis

Ngondro bedeutet Grundlagen zu schaffen, die zur Vorbereitung für die Meditation als essentiell erachtet werden. Traditionell werden alle, die authentische Meditation praktizieren wollen, angehalten, die vorbereitenden Übungen auszuüben. Diese bestehen aus zwei Teilen: 1.)  den allgemeinen vorbereitenden Übungen und 2.) den außergewöhnlichen vorbereitenden Übungen. Beide Teile enthalten wiederum jeweils vier Kontemplationen bzw. Praktiken. Bei den allgemeinen vorbereitenden Übungen werden die vier Aspekte unseres Daseins kontempliert und tief untersucht. Dieser Teil ist für jeden Menschen, egal ob Buddhist/-in oder nicht, ob Praktizierende/-r oder nicht, hilfreich und bereichernd.  Die außergewöhnlichen vorbereitenden Übungen basieren auf der tiefen Einsicht, die aufgrund der Kontemplationen des ersten Teils gewonnen wurde. Man ist nun sicher, dass es wertvoll ist, den spirituellen Weg zu gehen. Mit gezielten Methoden, die durch die buddhistische Lehre detailliert Schritt für Schritt erklärt werden, übt sich nun der Praktizierende darin, den Geist von behindernden, unheilsamen Ansichten, Gewohnheiten und Denkstrukturen zu befreien und neue, hilfreiche Einsichten und Verhaltensweisen zu entwickeln.  

Ngondro Gruppe und um was es dabei geht

Dharmapraxis sollte etwas sein, das wir nicht nur praktizieren, wenn wir Probleme haben oder etwas frei Zeit, nichts „Extra“, das man tut, wenn alles andere erledigt und abgehakt ist, auch keine Unterhaltung, wenn wir Abwechslung oder Ablenkung brauchen. Ablenkung haben wir viel zu viel. Die buddhistischen Lehrer sagen uns, dass alle unsere Probleme durch unsere Verwirrung, durch eine falsche Wahrnehmung der Wirklichkeit, von falschen Konzepten, Annahmen und Sichtweisen kommen. Durch die Ngondro-Praxis, oder die „grundlegenden Übungen, die den Geist zur Meditationspraxis lenken sollen“, fangen wir an zu lernen, die Dinge so zu betrachten, wie sie wirklich sind.   Ngondro teilt sich in zwei Teile auf: die allgemeinen vorbereitenden Übungen und die besonderen vorbereitenden Übungen. Jeder dieser Teile beinhaltet vier Praktiken. Bei den allgemeinen vorbereitenden Übungen kontemplieren wir 4 Themen: Die Kostbarkeit des menschlichen Lebens, Vergänglichkeit, Karma – das Gesetz von Ursache und Wirkung – und die Unzulänglichkeiten des samsarischen Lebens.  

Bei der ersten Reflektion über das kostbare Menschenleben versuchen wir, uns tief bewusst zu werden, wie kostbar es ist, dieses menschliche Leben zu besitzen. Das Leben als Mensch kann mit einem Gefäß aus reinem Gold verglichen werden oder einem wunscherfüllenden Juwel, es sollte uns überglücklich machen, am Leben zu sein. Wir denken darüber nach, wieviel Glück wir haben, nicht als Tier geboren zu sein.  Wir können in Freiheit leben, in einer friedvollen Gesellschaft und unsere Meinung äußern. Wie viele Menschen leben in ständiger Angst vor Gewalt und Hunger, oder sie verharren in schrecklichen Lebensumständen. Ihr Leben ist vielleicht ständig bedroht von Katastrophen, und es geht für sie um das reine Überleben. Wir aber leben in einer Gesellschaft, in der moralische Prinzipien, Gewaltfreiheit, etc. wichtig sind. Wir versuchen Mitgefühl, Herzensgüte, Fürsorge füreinander aufzubringen, und dies sind Werte, die Menschen nicht unbekannt sind.   Dann machen wir uns aber auch bewusst, dass all dies nicht selbstverständlich ist. Wie zerbrechlich ist das Leben, und wie schnell kann es vorbei sein. Zu glauben, dass wir sterben werden, dass dieser Körper nur eine zeitlich begrenzte Wohnstätte ist, fällt uns sehr schwer. Aber es ist nicht schwer zu erfahren, wie schnell sich das ändern kann, und das Leben ist vorbei. Es gibt keine Gewähr, dass wir morgen, nächsten Monat, nächstes Jahr noch leben. Ständig lesen und hören wir von Menschen, die plötzlich sterben, einen Unfall haben, Herzversagen oder vieles mehr. Vor einem Arztbesuch fühlen wir uns vielleicht noch recht wohl, und dann verlassen wir die Praxis mit einer Diagnose, die bedeutet, dass unser Leben bald enden könnte.  

Uns mit der Endlichkeit des Lebens zu beschäftigen, soll uns nicht deprimiert machen, sondern im Gegenteil, wir können lernen, es wertzuschätzen. Es soll uns helfen, so zu leben, dass wir am Ende voller Zufriedenheit und entspannt auf dieses Leben zurückblicken können und das Gefühl haben, das Beste daraus gemacht zu haben. Das Beste heißt, dass wir das Potential in uns nicht vergeudet, sondern entwickelt und zum Leuchten gebracht haben. Dieses Potential an Herzensgüte, Liebe, Reinheit, von dem wir im Buddhismus lernen, dass es grenzenlos ist und jedem Lebewesen innewohnt. Wir haben nur leider keine Ahnung davon. Wir lernen, dass wir dieses Potential verschwenden, wenn wir nur egoistisch unsere eigenen Bedürfnisse erfüllen. Wenn wir aber dazu beigetragen, dass die Leiden anderer gelindert werden, dass mehr Harmonie und Frieden auf der Welt entstehen, machen wir unser Leben zu einem erfüllten und wertvollen Leben. 

Teachings zu: Das Ngöndro

  • Teaching angelegt von Frank
  • letzte Bearbeitung am: 21. Juli 2024