Vers 28 – die 37 Praktiken eines Bodhisattvas
Im Vers 28 des Textes über die 37 Praktiken eines Bodhisattvas geht es, wie im obigen Auszug aus dem Vers klar wird, um die vollkommene Qualität von Fleiß oder freudiger Anstrengung. Falscher Ausdruck von freudiger Anstrengung ist aber, sich abzumühen oder es zu übertreiben. Dies ist ein Problem, denn wahre freudige Anstrengung bedeutet, Freude daran zu haben, positive Dinge zu tun.
Zum Nutzen aller Wesen freudigen Fleiß zu entwickeln, die Quelle aller Qualitäten, ist die Praxis eines Bodhisattva.
Welche Praktiken wir auch machen, sie sollten auf eine spontane und natürliche Weise ausgeübt werden. Im Wesentlichen geht es in der Meditationspraxis darum, in die Natur der Soheit einzugehen. Es geht nicht darum, dass wir uns selbst fertig machen und uns dazu zwingen, etwas zu tun. Es ist nicht notwendig, sich zu überanstrengen und zu denken: „Ich möchte das nicht machen, aber ich muss.“ Es sollte eine natürliche Reaktion sein, als brennte ein Feuer auf unserem Kopf. (Dieses Beispiel im Vers bezieht sich auf die Shravakas, oder Praktizierenden des Grundlegenden Fahrzeugs, von denen man annimmt, dass sie das eingeschränktere Ziel haben, nur sich selbst aus dem Samsara zu befreien.) Wenn unsere Haare Feuer fangen, sagen wir nicht: „Ich sollte dieses Feuer wahrscheinlich löschen, aber ich habe keine Lust.“ Und wir werden auch nicht hin- und herüberlegen, erst unsere Lehrer befragen, Forschung betreiben oder einen Schwall von Briefen absenden. Ohne nachzudenken werden wir sofort aufspringen und das Feuer mühelos löschen. Wahre Anstrengung geschieht mit lebendigem Interesse und freudiger Spontaneität. Wir tun etwas, weil wir genau sehen, dass es wichtig und wesentlich ist.
Vor einer Weile strahlte die BBC ein Programm über Geburt, Alter, Krankheit und Tod aus. Als ich es anschaute, sah ich viele Menschen, die litten, und dachte mir, wie viel ihnen der Dharma helfen könnte, wenn sie ihn wirklich verstünden. Wenn ich Millionen von leidenden Menschen sehe, fühle ich mich voller Energie, etwas für sie zu tun. Es ist nicht mühsam und so, dass ich mich zwingen muss, etwas zu tun, das ich nicht tun möchte. Bei freudiger Anstrengung geht es in Wirklichkeit um unsere Motivation: wir fühlen uns vollkommen davon eingenommen und voll Freude in unserem Wunsch, etwas zu tun.
Es ist wie bei dem Dichter, der inspiriert war und wie wild schrieb. Er musste für das Mittagessen eine Pause machen, aber war so in seine Gedichte vertieft, dass er weiterschrieb, während er sein Brot aß. Später bemerkte er, dass er sein Brot in die Tinte getunkt hatte.