Überwindung der Faulheit durch Fleiß oder freudige Ausdauer
Ringu Tulku, Lama Zangmo – Purelands Retreat, 2012 und Dilgo Khyentse Rinpoche „The Heart of Compassion“
Freudige Ausdauer oder Fleiß ist ein Geisteszustand, der sich freudig mit der positiven Aktivität der anderen fünf Vollkommenheiten oder Paramitas von Großzügigkeit, Geduld, Rechtem Verhalten, Meditation und Weisheit beschäftigt. Fleiß ist der Motor, der uns vorwärts treibt.
Wenn wir uns die Dinge ansehen, die den Fleiß behindern, die das Gegenteil von Fleiß darstellen, erkennen wir sie als verschiedene Ausdrucksweisen von Faulheit. Wir müssen uns also mit der negativen Gewohnheit der Faulheit auseinandersetzen, und dann die positiven Bedingungen schaffen, damit der Fleiß wachsen kann. Die vier Kräfte zur Entwicklung von freudiger Ausdauer sind: Streben, Selbstvertrauen, Freude und Loslassen.
Wenn wir ein starkes Interesse am Dharma haben, dann werden wir wirklich gute Praktizierende werden. Aber wenn wir nur ein durchschnittliches Interesse am Dharma haben, dann werden wir durchschnittliche Praktizierende. Und wenn wir nur ein minimales Interesse am Dharma haben, dann werden wir weniger gute Praktizierende werden, einfach weil diese Kraft des Strebens fehlt. Es ist das Streben, das sich im Handeln ausdrückt. Es ist eine enorm wichtige Sache bei allem, was wir tun. Es ist immer wichtig, Interesse am Dharma und unserer Praxis zu haben. Aber wenn wir uns selbst wie ein altes, geprügeltes Pferd antreiben müssen, um zu unserem Meditationskissen zu gehen und zu meditieren, ist das vielleicht nicht die richtige Einstellung, denn wir werden immer mehr abgeschreckt und entmutigt.
Die Kraft des Selbstvertrauens ist eine Art von Mut, eine Art von Entschlossenheit, die wir brauchen, um etwas zu Ende zu bringen. Wenn wir anfangen, etwas Positives zu tun, nützt es nichts, wenn wir es auf halbem Weg aufgeben. Es ist wie das Beispiel des Besteigens eines Berges. Wenn wir auf halbem Weg aufgeben, weil wir denken, dass wir es nicht schaffen, dann werden wir es auch nicht schaffen. Wir müssen wirklich Selbstvertrauen entwickeln. Diese Art von Faulheit erzeugt eine entsprechende Gewohnheit. Wir schaffen eine Tendenz zum Scheitern: wir werden entmutigt, wir fühlen uns immer schlechter über uns selbst.
Die Kraft der Freude bezieht sich darauf, wie wir uns an dem erfreuen sollten, was wir tun: sei freudig, sei im Moment mit dem, was du tust, ohne eine Belohnung zu erwarten. In Bezug auf unsere Praxis und unseren spirituellen Weg sollten wir versuchen, keine großen, hohen Erwartungen zu haben, die dazu führen, Enttäuschungen zu erleben. Besser ist es, beständig zu sein und einfach Freude daran haben, dass wir praktizieren und uns auf dem spirituellen Weg engagieren.
Genau wie die Bodhisattvas sollten wir keine Belohnung erwarten, sondern versuchen, die Haltung zu entwickeln, freudig und mit Wertschätzung auf dem Pfad vorwärtszugehen, so gut wie wir können. Diese Kraft wird uns helfen, unseren Pfad zu kultivieren. Wir versuchen, diese Energie des Fleißes zu schüren, damit wir das Feuer des Fleißes zum Glühen bringen und wir ein Ergebnis erzielen können. So funktioniert die Kraft der Freude: Wir haben Vergnügen und Freude an dem, was wir für andere tun.
Manchmal denken Menschen, dass sie sich nicht freuen dürfen, wenn sie etwas Positives tun. Ich denke, das ist falsch. Man darf sich freuen, man sollte sich an seiner positiven Tätigkeit erfreuen. Die Leute verwechseln das mit Stolz und denken: „Oh, ich darf nicht positiv über mich oder meine eigenen Handlungen denken“. Aber man sollte sich freuen und glücklich sein, dass man in der Lage ist, positive Handlungen auszuüben – ob es nun tatsächliche Handlungen sind, Praxis, Meditation oder all die verschiedenen Dinge, die man in formellen Sitzungen oder außerhalb formeller Sitzungen tut.
Die letzte Kraft ist die Kraft des Loslassens: Lernen wir loszulassen, wenn es der richtige Zeitpunkt zum Loslassen ist. Wenn wir zum Beispiel sehr krank sind oder ein großes Hindernis haben, müssen wir vielleicht manchmal Dinge für eine gewisse Zeit ruhen lassen. Aber wir können den Entschluss fassen, dass wir zu einem späteren Zeitpunkt weitermachen werden. Wir geben nicht völlig auf, sondern wir erkennen, dass es in der aktuellen Situation besser ist, zu einem späteren Zeitpunkt weiterzumachen. Wir müssen nicht zwanghaft sein! Wir sollten ausgeglichen sein.
Loslassen ist auch eine Haltung, bei der wir nie das Gefühl haben, genug getan zu haben; wenn wir etwas geschafft haben, dann sollten wir nicht denken: „Okay, wir haben es geschafft! Jetzt können wir uns auf unseren Lorbeeren ausruhen und es ruhig angehen lassen“. Das ist die Faulheit des Müßiggangs. Stattdessen sollten wir denken: „Nun, wir haben das getan und das ist wunderbar, aber natürlich müssen wir mehr tun und weitermachen, denn es ist immer noch wenig.“ Wir entwickeln den Enthusiasmus, weiterzumachen. Das ist Loslassen – nicht an den Ergebnissen unserer früheren Handlungen hängen bleiben und nie aufhören.