Kagyu Samye Dzong Kirchheim e.V.

Eine Übung zum Entwickeln von Dankbarkeit

Diese Übung ist heutzutage besonders wichtig, denn wir leben in einem Zeitalter, in dem die Menschen mehr als jemals zuvor zu Unzufriedenheit neigen. Der Schwerpunkt liegt auf dem, was uns fehlt, auf Mangel und auf Negativität. Wir sind auf das Gefühl konditioniert, dass es uns ständig an irgendetwas mangelt.

Man kann jedoch lernen, stattdessen Dankbarkeit und Wertschätzung zu empfinden – man kann das bewusst trainieren und sich allmählich über alles wirklich und echt freuen. Das bedeutet nicht, man würde nun nie mehr nach irgendetwas streben, sondern nur, sich in jedem Moment erfüllt zu fühlen und eine positivere Grundhaltung zu entwickeln.

Wir setzen uns in der Meditationshaltung an einen ruhigen Ort. Wer möchte, kann die Augen schließen. Dann beginnen wir damit, die beste Motivation für diese Übung zu entwickeln. Es geht darum, nicht nur uns selbst mehr Glück und Zufriedenheit zu wünschen, sondern auch der Welt ringsum. Das ist die reine Grundlage von allem Mitgefühl.

Ein paar Momente lang verweilen wir in einer achtsamen Haltung, indem wir das Gewicht unseres Körpers auf dem Stuhl spüren, den Boden unter den Füßen. 

Dann denken wir an drei Dinge in unserem Leben, für die wir Dankbarkeit empfinden. Das können Dinge sein, Menschen oder Situationen, alles Mögliche. Ganz langsam gehen wir diese drei Dinge durch und prüfen, warum wir dafür dankbar sind oder sein sollten. Wir empfinden ein tiefes Gefühl von Dankbarkeit für diese Dinge. 

Gleichzeitig bemühen wir uns zu verstehen, dass alles mit allem zusammenhängt. Unser bloßes Überleben hängt von so vielen Dingen und Menschen in unserer Umgebung ab. So erzeugen wir tiefe Dankbarkeit in uns, denn wir rufen uns die Freundlichkeit der Welt um uns in Erinnerung. 

Beim nächsten Schritt empfinden wir Glück für das Wohl anderer. Wir freuen uns bewusst über die Errungenschaften und das Glück anderer. Wir denken an Menschen, die wir kennen, und an bisher Unbekannte. Wir entwickeln ein Gefühl, für diese glücklich zu sein, und sind wirklich froh über deren Erfolge. Das empfinden wir gewöhnlich für unsere Angehörigen, doch hier weiten wir die Mitfreude auch auf Fremde aus. Wir sind alle miteinander verbunden und können Glück teilen. Es ist genug Glück für alle da. 

Zum Ende der Sitzung, wenn die Zeit, die wir uns gesetzt haben, abgelaufen ist, etwa zehn bis fünfzehn Minuten, konzentrieren wir uns ein paar Momente lang auf unseren Körper. Wir spüren unsere Schultern, dann die Kontaktpunkte des Körpers mit dem Stuhl und schließlich den Boden unter den Füßen. 

Am Ende wiederholen wir unsere Absicht, mit der wir die Sitzung begonnen haben, nämlich Mitgefühl zu entwickeln für alle Wesen, und rufen uns in Erinnerung, dass wir Meditation zum Wohle aller Menschen praktizieren. Mit der Zeit wird unsere Fähigkeit wachsen, Gelassenheit und Glück mit anderen zu teilen. 

Wie bei allen Meditationen ist es auch bei dieser Übung hilfreich, sie regelmäßig zu wiederholen. Jedes Mal denken wir dabei an drei andere Dinge, für die wir dankbar sind. Damit erweitern wir das Gefühl von Dankbarkeit und Wertschätzung, bis es alles in unserem Leben umfasst. 

  • Teaching angelegt von Stephan
  • letzte Bearbeitung am: 31. März 2024