Was ist ein Bodhisattva, ein Wesen, das die Bodhicitta-Haltung in sich trägt?
Ein Bodhisattva ist jemand, der auf dem Weg ist, ein erleuchtetes Wesen zu werden, ein Buddha. Ein Buddha ist jemand, der das Verständnis, das Wissen und die Fähigkeit erreicht hat, alle eigenen Probleme zu überwinden und allen anderen dabei zu helfen, dasselbe zu tun. Durch die Zufluchtnahme haben wir uns zum wichtigsten Ziel gesetzt, ein erleuchtetes Wesen zu werden, das sich selbst aus allen Problemen befreit hat und das anderen helfen kann. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen wir Bodhisattvas werden, denn das ist der Weg, der Pfad.
Um ein Bodhisattva zu werden, brauchen wir Herzensgüte, Mitgefühl, Mitfreude und Unparteilichkeit. Man nennt diese die grenzenlosen Qualitäten. Wenn man diese Intention hat, dann ist man aus buddhistischer Sicht ein Bodhisattva, und es spielt keine Rolle, zu welcher Religion, welcher Nationalität, welcher Art Mensch man gehört. Es spielt nicht einmal eine Rolle, ob man ein menschliches Wesen ist oder nicht, wenn man diese Motivation hat, ist man ein Bodhisattva.
Der Wunsch, nicht nur uns selbst zu helfen, sondern auch allen anderen, ist eine ganz wunderbare Idee. Meist versuchen wir, nur uns selbst zu helfen, auch wenn wir dabei anderen schaden. Hier ist der Ansatz genau umgekehrt: wir wollen uns selbst helfen, um anderen helfen zu können. Das ist die schönste Inspiration, die in unserem Geistesstrom wachsen und sich entwickeln kann.
Was uns dabei helfen kann, unsere eigene Einstellung und die Realität, in der wir leben, klarer zu sehen, realistischer, pragmatischer und weniger verwirrt, sind „Die vier Grundlegenden Gedanken“. Sie werden auch die „Vier Grundlegenden Kontemplationen, die den Geist zur Meditation hinwenden sollen“ genannt und sind folgende: Die menschliche Existenz ist kostbar. Dieses Leben ist vergänglich. Mache dir klar, dass jede deiner Handlungen, ob positiv oder negativ, Konsequenzen hat. Solange deine Gedanken hauptsächlich um deine eigene Person und dein Glück oder Unglück kreisen, bleibst Du im Kreislauf von Anhaftung und Abneigung gefangen und wirst leiden.
(mehr darüber im Buch von Patrul Rinpoche – „Die Worte meines vollendeten Lehrers“)