Kagyu Samye Dzong Kirchheim e.V.

Unsere Vision für das Kirchheimer Samye-Dzong

„Samye Ling und seine angegliederten Zentren sind der Entwicklung von Weisheit, Mitgefühl und der Gesundheit in Körper, Geist und Seele gewidmet. Gerade in unserer heutigen Zeit, in der Konflikte, Gewalt und Gier vorherrschend sind, brauchen wir einen Ort mit friedvoller, harmonischer und inspirierender Atmosphäre, in der wir entspannen und auftanken können, um den vielfältigen Anforderungen unserer hektischen Zeit gewachsen zu sein.“

Geistige Schleier reinigen und Verdienste erwerben

Wollen wir vor einer langen Reise sicher sein, dass wir unseren Bestimmungsort erreichen, müssen wir uns all dessen entledigen, was zu Behinderungen führen könnte, und uns mit Vorräten und anderen Dingen eindecken, die für die Reise unentbehrlich sind. Dem entsprechen auf dem buddhistischen Weg die beiden Etappen, die als „Reinigung“ und „Ansammlung“ bezeichnet werden. Reinigung bedeutet hier nicht, die menschliche Natur von irgendeiner ursprünglichen Unreinheit „reinzuwaschen“. Wäre unsere Natur grundsätzlich schlecht, dann wäre der Versuch, sie reinigen zu wollen, nutzlos – ebenso wenig könnte man ein Stück Kohle weiß waschen, selbst wenn man es jahrhundertelang versuchte. Es geht vielmehr darum, die Schleier zu beseitigen, die unsere wahre Natur – oder das, was man unser „ursprüngliches Gutsein“ nennen könnte, verdecken. Diese Reinigung ist vergleichbar damit, Gold aus dem Gestein, das es umgibt, zutage zu fördern und Verunreinigungen zu beseitigen, um seinen Glanz und seine natürliche Vollkommenheit zum Vorschein zu bringen; oder damit, wie der Wind Wolken vertreibt, die die Sonne verdecken, während deren Licht unverändert bleibt.   Der Buddhismus unterscheidet zwei Schleier, die durch diesen Prozess beseitigt werden sollen: den Schleier der störenden Emotionen, nämlich Verlangen, Hass, Unwissenheit, Stolz und Neid; und den subtileren konzeptuellen Schleier, der die Erkenntnis der letztendlichen Natur der Dinge verdeckt.

Dilgo Khyentse Rinpoche lehrte: „Wenn man im Lauf seines Lebens anderen durch Lügen, Täuschen, Stehlen, Zerstören, Verletzen, Töten etc. wehtut und dasselbe auch in den vergangenen Leben getan hat, dann hat man eine starke negative Energie erzeugt. Diese Energie, die uns in einem Teufelskreis von Illusionen und Leiden eingeschlossen hält, muss gereinigt werden, denn sie ist es, die unser Fortschreiten zum Erwachen hemmt, indem sie die zwei Schleier, die unsere erwachte Natur verdecken, lebendig erhält – den Schleier, der durch störende Emotionen erzeugt wird, und den kognitiven Schleier, der die wahre Erkenntnis verdeckt – und indem sie uns daran hindert, diese Natur wahrzunehmen. Glücklicherweise kann man etwas gegen diese Situation tun. Die Meister der Kadampa-Tradition sagten: „Alle Erscheinungen sind zusammengesetzt und folglich vorübergehend. Wie Buddha Shakyamuni selbst gesagt hat, ist kein Fehler so schwerwiegend, dass er nicht gereinigt werden könnte.“ Um diese Reinigung erfolgreich durchzuführen, wendet man die sogenannten „vier Kräfte“ an:   Die Kraft der „Stütze“: Dies ist der Mensch – oder der Buddha –, vor dem man offen seine schädlichen Taten bekennt und gelobt, etwas dagegen zu tun. Es kann sich dabei um die Praxis der „35 Bekenntnisse zu den Buddhas“ handeln, um die Vajrasattva-Praxis, den Buddha der Reinigung (von karmischen Schleiern), oder um die Stütze, die der eigene spirituellen Meister ist. Die Kraft des Bereuens: Dieses Gefühl kommt ganz natürlich auf, wenn man versteht, dass alle Leiden das Ergebnis unserer schädlichen Taten sind. Bis jetzt haben wir uns verhalten wie Verrückte, denen die Wirkung ihrer Taten nicht bewusst ist. Könnten wir sehen, wie Handlungen und ihre Auswirkungen miteinander verknüpft sind, dann könnten wir nur tiefe Reue und großen Überdruss in Bezug auf das, was uns auf diese Weise im Daseinskreislauf hält, empfinden. Und wir würden nicht mehr die geringste Lust verspüren, erneut so zu handeln.   Die Kraft des Gegenmittels müssen wir einsetzen, damit die Reinigung wirkt, denn Reue allein genügt nicht. Allen schlechten Taten des Körpers, der Rede und des Geistes kann man durch Gegenmittel – positive Taten – entgegenwirken.   Die Kraft der Entschlossenheit ist das vierte Gegenmittel. Es ist die Entschlossenheit, nie wieder etwas Schädliches zu tun. Bis jetzt wusstet ihr nicht, dass gewisse Handlungen Leid verursachten, aber von nun an habt ihr keine Entschuldigung mehr, ihr müsst eure Einstellung ändern. Es wäre ein schwerwiegender Fehler anzunehmen, man könne sich erlauben, schlecht zu handeln, da ja die Möglichkeit besteht, sich davon zu reinigen, im Gegenteil: Fasst den festen Entschluss, eure Fehler der Vergangenheit nie wieder zu wiederholen. Diese Verpflichtung erfordert große Ausdauer und Achtsamkeit in jedem Augenblick. Dank der vier Kräfte werden eure geistigen Schleier sich auflösen und alle dem Erwachen innewohnenden guten Eigenschaften sich in all ihrem Glanz zeigen, wie die Sonne, die aus den Wolken hervortritt.“

(Quelle: Matthieu Ricard. Weisheit)       

  • Teaching angelegt von Stephan
  • letzte Bearbeitung am: 21. Juli 2024