Kagyu Samye Dzong Kirchheim e.V.

Gedanken aus dem Studienkurs

3. und 4. Oktober 2020

Was ist ein Buddha? – Ein Buddha hat alle Geistesgifte, die durch Unwissenheit bedingt sind, überwunden und die Vier UnermesslichenMitgefühl, Mitfreude, Herzensgüte und Unparteilichkeit voll entfaltet: ein Buddha hat Bodhicitta, den Erleuchtungsgeist, entwickelt. Und es gibt eine großartige Nachricht: Die Buddhanatur ist bereits in uns, die Vier Unermesslichen sind schon in uns angelegt – nur entwickelt haben wir sie noch nicht. Die Entwicklung unseres Geistes in diese Richtung ist ein herausfordernder Prozess, denn dazu müssen wir lernen, uns selbst und unsere Probleme und Schwierigkeiten nicht so wichtig zu nehmen.

Aber durch die Unwissenheit darüber, wie die Dinge wirklich sind (nämlich vergänglich und veränderbar) glauben wir, dass alles fest und solide und genauso ist, wie wir uns das denken. Wir sind überzeugt davon, dass es ein Selbst gibt – und darum haften wir an allem, was diese Idee noch weiter unterstützt, zum Beispiel die Anerkennung durch andere. Aus dem gleichen Grund halten wir an den Dingen um uns herum fest: Sie scheinen zu definieren, wer oder was „wir“ sind, weil sie „uns“ gehören. Wir achten vor allem auf unsere Belange und glauben, dass alles, was uns Schwierigkeiten macht, schlecht für uns sein muss. Wir irren uns auch, wenn wir glauben, dass alle angenehmen Situationen immer gut für uns sind. Indem wir Situationen bewerten, versuchen wir nur wieder das zu zementieren, was veränderlich und vergänglich ist. Durch unsere Unwissenheit nehmen wir Zuflucht zu Dingen, die nicht bleiben – und wundern uns dann, wenn wir leiden, weil sie sich verändern oder verschwinden. Unseren Geist zu entwickeln heißt, für alle Situationen offen zu sein. Es bedeutet auch, loslassen zu können: Dinge und Menschen („Mein Haus, mein Auto, meine Frau, mein Pool.“), Vorstellungen („Ich kann nur glücklich sein, wenn ich endlich diese Beförderung bekomme.“), Gedanken (wir machen unendliche Geschichten aus unseren Gedanken…), Konzepte („Das macht man so!“, „Es ist nur gerecht, wenn…“).

Der Dharma lehrt uns Methoden, mit denen wir unseren Geist entwickeln können. Aber jede Entwicklung bedeutet, dass wir unsere Komfortzone hinter uns lassen müssen. Möglicherweise gelingt es uns recht leicht, für eine nahestehende Person Mitgefühl zu entwickeln. Sollen wir dasselbe aber für jemanden tun, der uns zuvor verletzt hat, fällt uns das unendlich viel schwerer. Und warum? Wieder steht uns unser Ego im Weg. Die Entwicklung unseres Geistes bedeutet Arbeit und niemand sagt, dass es leicht ist. Allein die Bereitschaft zur Veränderung ist aber noch nicht alles. Wir müssen stets prüfen, aus welcher Motivation heraus wir handeln: Geht es uns vor allem darum, unser eigenes Leid zu beenden, oder streben wir danach, so vielen Wesen wie möglich nützlich zu sein? Wie ernst meinen wir es, wenn wir sagen „Mögen alle Wesen glücklich sein“? Und auch da hört unsere Selbstüberprüfung noch nicht auf – wir müssen uns auch fragen, wie uns das Gelernte verändert hat. Nur durch dieses Nachforschen können wir erkennen, ob wir die richtigen Methoden für unseren Weg anwenden. Und wir müssen uns bewusst darüber sein, dass wir nur anderen Wesen nützen können, wenn wir selbst klar sind und die Freiheit erlangt haben, mit allen angenehmen und unangenehmen Situationen umgehen zu können, ohne den Kopf zu verlieren oder uns von unseren Emotionen abhängig zu machen:

„Was immer passiert, passiert. Ich denke nicht über meinen eigenen Nutzen nach, sondern mache das Beste aus der Situation und lerne etwas daraus. Möge ich in der Lage sein, dadurch möglichst vielen anderen Wesen dieselbe Entwicklung zu ermöglichen.“

  • Teaching angelegt von Stephan
  • letzte Bearbeitung am: 21. Juli 2024