Kagyu Samye Dzong Kirchheim e.V.

Einige weise Meister im Gespräch

aus „Die Seele der Welt, von der Weisheit der Religionen“

Ein weiser Meister erteilte die folgende Belehrung: „Wir sollten nicht nach dem Leiden streben, wie manche religiöse Menschen es tun, die ihren Körper kasteien. Das Leid kommt ganz von selbst zu uns. Andererseits ist es auch schädlich, das Leiden bewusst zu vermeiden, denn dann können wir das Leben nicht in seiner ganzen Fülle auskosten. Wir gehen kein Risiko ein. Wir gehen allem aus dem Weg, was uns verletzen könnte. Wir tun nichts, wofiir wir uns anstrengen müssten. So wird der Kreis unseres Lebens immer enger und die Freude verschwindet daraus. Viele Menschen sind unglücklich, weil sie es vorziehen, sich im Unglück bequem und schmerzfrei einzurichten, statt Mühen und Opfer auf sich zu nehmen, die im Moment vielleicht schmerzlich sind, am Ende aber zu tiefem Glück führen. Wie ein Kranker, der manchmal bittere Medizin schlucken oder eine gefährliche Operation auf sich nehmen muss, damit sein Körper wieder gesund wird, so muss auch der Mensch begreifen, dass die Hindernisse im Leben dazu da sind, um seine Seele zu stärken und zu heilen.“

Ein anderer der Weisen warf ein: „Es gibt keine Wandlung ohne Schmerz. Damit wir tiefe Freude erfahren können, müssen wir das Risiko eingehen, großen Schmerz zu durchleiden.“

In die eintretende Stille hinein sagte einer der Weisen: „Unser Leben ist aus sichtbaren und unsichtbaren Fäden gewebt. Wir nehmen nur die sichtbaren wahr, daher lehnen wir uns mitunter gegen unser Schicksal auf. Könnten wir aber die unsichtbaren erkennen, dann würden wir entdecken, dass alles, was uns unangenehm erscheint, einen tieferen Sinn birgt und uns nützlich sein kann. Dann würden wir die Ereignisse, die wir für ein Unglück halten, als Chance begreifen, die uns die unsichtbaren Fäden im Gewebe unseres Lebens erkennen lässt.“ 

Einer der Weisen sagte: „Wir können uns nicht von der äußeren Welt befreien, sondern nur von unserer ureigenen Welt: dem Gefängnis unserer Glaubenssätze und unseres Ego. Äußere Umstände können unser Leben nicht verändern, aber jeder kann das ändern, was er glaubt und tut. Glück und Unglück wohnen in unserem Inneren, Paradies und Hölle existieren nur in uns.“  

  • Teaching angelegt von Stephan
  • letzte Bearbeitung am: 21. Juli 2024