Kagyu Samye Dzong Kirchheim e.V.

Eine Reihe von Ratschlägen von Atisha über „Die Vier Ziele“

 Aus „Regenbogenbilder“ von Tulku Urgyen Rinpoche

Das erste Ziel ist:
„Ziele deinen Geist auf den Dharma.“

Das heißt, unser Geist sollte auf das ausgerichtet sein, was wahr und bedeutungsvoll ist, anstatt auf weltlichen Erfolg. Wenn wir unseren Geist auf den Dharma ausrichten, können wir Befreiung und Erleuchtung erlangen. Wenn wir jedoch auf weltliche Ziele hinarbeiten, gibt es keinerlei Möglichkeit zum Erlangen von Befreiung und Erleuchtung. 

Atisha erklärte zum zweiten Ziel:
„Verfolge mit deiner Dharmapraxis ein einfaches Leben.“

Das heißt, versuche nicht etwa großen Reichtum anzusammeln. Es ist leichter, den Belehrungen zu folgen, wenn wir einfache Praktizierende sind. Wenn wir erst großen Reichtum angesammelt haben, bevor wir mit dem Praktizieren beginnen, glauben wir, immer einen gewissen Lebensstandard aufrechterhalten zu müssen. Es bedarf immenser Mühe, unseren Reichtum zu vermehren, unsere Rücklagen zu schützen und sicherzustellen, dass sie nicht aufgebraucht werden. Eine Menge Mühe und Sorge ist damit verbunden, daher ist es das Beste, mit seiner Praxis ein einfaches Leben zu verfolgen. 

 Das dritte Ziel lautet:
„Ziele darauf ab, dein ganzes Leben lang einfach zu leben.“

Denkt nicht: „In Ordnung, ich werde für eine Weile den Dharma als einfacher Schüler praktizieren. Aber später werde ich den großen Durchbruch erzielen und reich und wichtig werden.“ So sollte man nicht denken. Zielt stattdessen darauf ab, ein einfacher Praktizierender zu bleiben, euer ganzes Leben hindurch, bis zum Zeitpunkt des Todes. 

 Und schließlich sagte Atisha:
„Ziele darauf ab, in Einsamkeit zu sterben.“

Das bedeutet, allein zu sterben, ohne Freunde, am besten in einer Klausurhütte oder an einem einsamen Ort, ohne von Bediensteten und Gefährten umringt zu sein. Dies waren „Die Vier Ziele“.  

Atisha gab weitere Ratschläge wie:
„behalte einen niedrigen Sitz.“

Das heißt, unauffällig zu bleiben. Strebt nicht danach, wichtig zu sein. Tragt einfache Kleidung, keine aufwendigen oder teuren Dinge. Tragt, was immer ihr bekommen könnt. Weiterhin sagte er: „Lasst Nahrung, Kleidung und euren Ruf die Niederlage davontragen.“ Wenn zum Beispiel ein Streit beigelegt wird, verliert die eine Seite, während die andere gewinnt. Versucht nicht wegen Nahrung, Kleidung und Ruf Siege zu erzielen. Mit anderen Worten, gestattet dem Geist, nicht von Nahrung, Kleidung, Ruhm oder Gedanken um die eigene Wichtigkeit abgelenkt zu werden. 

Atisha sagte auch: „Sei dein eigener Lehrer.“ Sei dein eigener Führer auf dem Weg. Verweile nicht in einer Situation, in der du ständig die Befehle anderer ausführen musst. Lebe auf eine Weise, die es dir gestattet, dich auf dich selbst zu verlassen. Wenn du so leben kannst, hast du die Möglichkeit, ein reiner Praktizierender zu werden. 

Der große Meister Atisha hat selbst nach diesen Prinzipien gelebt und große Verwirklichung erlangt. Wir sollten unser Bestes geben, so viel wie möglich von seinen Ratschlägen in die Tat umzusetzen. 

Wer sich einmal entschieden hat, den Dharma zu praktizieren, sollte es auch zum Ende bringen. Ansonsten ist es so, wie Patrul Rinpoche gesagt hat: „Wenn wir jung sind, werden wir von anderen kontrolliert und können nicht praktizieren.“

Bis man siebzehn oder achtzehn Jahre alt ist, lebt man normalerweise bei seinen Eltern und ist von ihnen abhängig. Man geht zur Schule oder hat zu Hause zu tun, und kann nicht einfach weggehen, um zu praktizieren. Wenn wir dann endlich erwachsen sind, jagen wir den Objekten unserer Gelüste nach und können nicht praktizieren. Wenn wir alt sind, verlieren wir unsere physische Kraft und können nicht praktizieren. „Ach, ach! Was tun wir nun?“ 

Wenn wir also praktizieren wollen, sollten wir uns darüber klar werden, wie wir dies tun wollen. Das Beste wäre, von ganzem Herzen ein perfekter, reiner Praktizierender zu werden. Sollte uns das nicht möglich sein, sollten wir zumindest versuchen, wenigstens die Hälfte von all dem Vorgenannten zu umzusetzen und zu verkörpern. Wenn auch das nicht möglich ist, sollten wir uns wenigstens einen der Ratschläge zu Herzen nehmen und ihn wirklich leben. 

Wenn wir die Lehren des Buddha anwenden, tun wir das in drei Schritten oder Stufen. Zuerst studieren wir sie gründlich. Dann reflektieren wir darüber, wir versuchen sie so klar wie möglich zu verstehen. Und schließlich üben wir uns in ihnen, wir machen das, was gelehrt wurde, zu unserer Erfahrung. All dies sollte einigen Effekt haben.

Die Lehren des Buddha zu studieren heißt, etwas über gute und schlechte Handlungen zu erlernen. Wir verstehen, vor welcher Wahl wir stehen. Es wird uns klar, dass alles durch karmische Handlungen und unsere eigenen störenden Gefühle entsteht, und wir entdecken, wie wir diese reinigen und beseitigen können. Durch dieses Erlernen, Reflektieren und schließlich Anwenden sollte sich ein Ergebnis einstellen, ein Resultat. Es heißt, dass man durch Studieren und Reflektieren sanft und diszipliniert wird. Das Resultat von meditativer Übung ist es, dass störende Gefühle wie Aggression, Anhaftung und Stumpfheit ständig abnehmen. Dies ist das wahre Zeichen meditativer Praxis. 

  • Teaching angelegt von Stephan
  • letzte Bearbeitung am: 21. Juli 2024