Kagyu Samye Dzong Kirchheim e.V.

Eine Frage! Auszug aus „Meditation, das Herz buddhistischer Praxis“

Von Ringu Tulku

Vor ein paar Tagen hat mir jemand eine sehr interessante Frage gestellt. Er hat Folgendes gefragt: „Um Buddhist zu werden, woran muss man wirklich glauben? Nenn mir eine Sache, an die man wirklich glauben muss, wenn man Buddhist werden will und ohne die man nicht Buddhist werden kann.“

Das war eine interessante Frage. Ich habe lange darüber nachgedacht. Zuerst dachte ich, es ist vielleicht, an Buddha zu glauben, an Buddha, Dharma, Sangha glauben, an Zuflucht glauben. Aber ich denke, das ist nicht der Fall. Das kommt später. Wenn jemand ein Buddhist wird, braucht er nicht an Buddha, Dharma, Sangha zu glauben. Um über Buddha, Dharma und Sangha Bescheid zu wissen, braucht es das ganze Buddhist-Sein. Alles im Buddhismus geht darum, dass man das versteht, also kann man es nicht zur Bedingung machen, wenn man Buddhist werden will.  

Also was ist es?

Ich denke, daran zu glauben, dass ich mich wirklich verändern kann, dass ich mich verbessern kann, dass ich besser werden und meine positiven Qualitäten steigern kann. Ich glaube, das ist die Grundlage. Wenn du nicht daran glaubst, dass du dich verbessern kannst, dann glaube ich, dass es keinen Sinn hat, ein Buddhist zu werden, und es gibt keine Grundlage dafür, ein Buddhist zu werden oder jegliche buddhistische Praxis zu machen. Ich glaube, dass nur das wirklich nötig ist, dass ich mich verbessern kann. Denn aus der buddhistischen Sichtweise heraus ist sogar die Zuflucht zu Buddha, Dharma und Sangha und all diese Dinge, meiner Meinung nach, aufgebaut auf dies, nämlich dass ich mich, meine positiven Seiten, meine Weisheit, mein Mitgefühl, mein Glücksgefühl, meine Freude verbessern kann. Ich kann all dies verbessern, nicht nur langsam, begrenzt und allmählich, sondern fast unbegrenzt.

Für Buddhisten ist dies Erleuchtung, das ist ein Buddha. Ein Buddha aus der buddhistischen Sichtweise ist jemand, der seine oder ihre positiven Seiten verbessert hat, die eigene innewohnende gute Natur bis zu der letztendlichen Ebene verwirklicht hat, das ist ein Buddha. Ein Buddhist ist also jemand, der daran glaubt, dass er oder sie sich verbessern kann, und zwar wirklich vollständig und unbegrenzt verbessern kann. Deshalb führt die buddhistische Praxis darauf hin, uns selbst zu verbessern.

  • Teaching angelegt von Stephan
  • letzte Bearbeitung am: 21. Juli 2024