Kagyu Samye Dzong Kirchheim e.V.

Wie sich unser Geist in Knoten verstrickt 

Der Geist ist nicht wie ein materieller Gegenstand, aber wenn er in eine bestimmte Denkweise verwickelt ist, kann er sich quasi in sich selbst verknoten. So, wie sich eine Seidenraupe einwickelt, wenn die Seidenfäden herauskommen, verknotet sich unser Geist, wenn unsere Denkweise nicht wirklich gut ist.

Dass sich unser Verstand auf diese Weise verheddert, ist die Quelle all unserer Probleme. Dies führt zu unserm Unglücklichsein und macht uns viele Schwierigkeiten. Wir können den physischen Körper als Beispiel nehmen. Wenn wir viel gearbeitet haben und müde werden, machen wir eine Pause. Wenn wir uns ausruhen, ist unsere Geisteshaltung die des Nichtstuns, nicht wahr? Wir lassen einfach los, was wir getan haben. Wir hören einfach auf und legen die Dinge beiseite. Arbeiten ist das Gegenteil davon, nicht wahr? Arbeiten ist aktives Tun, oder Machen. Ausruhen ist das Loslassen und Beiseitelegen der Tätigkeit. Vielleicht ruhen wir uns in unserem Bett oder auf unserem Stuhl aus, aber wir geben die Aktivität auf. Indem wir uns ausruhen, beginnen wir, uns wohler und glücklicher zu fühlen. 

Und was ist es, das dieses Gefühl des Ausgeruhtseins und des Wohlbefindens hervorruft? Es ist das Nichtstun, nicht wahr? Wir lassen alles los und legen unsere Geschäftigkeit beiseite. Und wie lange wir auch immer ruhen, wir sind entspannt, und das ist angenehm. Der Körper ist hier das Beispiel, aber es ist dasselbe für unseren Geist. Wenn unser Geist sehr aktiv und aufgewühlt ist, dann kommen die Probleme. Diese Verstrickung unseres Geistes hat im Buddhismus einen Namen. Wir nennen es ‚An das Ego anhaften‘ oder ‚das Greifen nach einem Selbst‘. Es gibt verschiedene Bezeichnungen dafür, aber kurz gesagt ist der Geist nicht mehr offen und entspannt, wenn dies geschieht. Er ist weder natürlich gefestigt, noch ohne jegliche Beeinflussung. Stattdessen ist der Geist angespannt, und das bringt Leiden und Schwierigkeiten mit sich.

Ein großer Teil unserer geistigen Aktivität basiert auf dieser Tatsache. Es ist ein Tun oder ein Festhalten an unserem eigenen Geist, ein danach Greifen, durch das sich der Geist selbst fesselt. Ideen wie „Ich muss glücklich sein, ich brauche etwas, oder ich muss jemand sein“ – dies ist die ständige Aktivität, etwas zu machen oder zu tun, nach etwas zu greifen oder zu suchen. Und wenn diese mentale Einstellung sehr stark wird, dann leiden wir sehr darunter. Für diejenigen, die nicht so stark auf diese Weise denken, die nicht so stark greifen und klammern, gibt es weniger Probleme. Und es gibt viele Methoden, die im Dharma gelehrt werden, um uns zu helfen, dieses Greifen, dieses Festhalten an sich selbst, zu reduzieren.

  • Teaching angelegt von Frank
  • letzte Bearbeitung am: 17. Juli 2024