Kagyu Samye Dzong Kirchheim e.V.

Einige Anregungen zum richtigen Dharma-Studium von Drupon Rinpoche aus Belehrungen über den Text „Ratschläge für die Menschen von Tingri“ von Padampa Sangye.

Bei allen Dharma-Lehren geht es im Wesentlichen darum, unsere Fehler zu überwinden. Als Dharma-Praktizierende arbeiten wir daran, unsere negativen und störenden, im Buddhismus als Geistesgifte bezeichneten Emotionen wie Anhaftung, Verlangen, Wut, Ärger, Stolz und Eifersucht, aufzugeben. Grundlage dafür ist das korrekte Verständnis darüber, wobei es beim Studieren und Praktizieren wirklich ankommt.

Drupon Rinpoche betont immer wieder, dass wir den Fehler machen, die Texte und uns selbst als getrennt anzusehen und so studieren wir einen Text mit der Haltung von: „Ich lerne das“. Der Text ist das Andere und ist etwas von mir Getrenntes, wie wenn er nichts mit mir zu tun hat. Wir wenden unsere gewohnte Weise, weltliche Informationen aufzunehmen auch hier an. Aber so werden wir Dharma nicht wirklich verstehen und die acht weltlichen Besorgnisse oder Dharmas nicht reduzieren, sondern sie eher stärken. Grund ist, dass wir weiter gefangen bleiben in dem Streben nach Gewinn, Glück, Bekanntheit, Lob oder Anerkennung, und Angst haben vor Verlust, Unglück, Tadel und Ablehnung.  Im normalen Leben ist all unser Denken und Handeln davon geleitet. Im schlimmsten Fall können sogar unsere Arroganz und Stolz zunehmen, wenn wir das Studieren und das angesammelte Wissen dazu benutzen, Bekanntheit, Anerkennung, Wohlstand zu erwerben.

Aber der Nutzen von Belehrungen besteht darin, dass wir aufmerksam werden für unsere eigenen Fehler, und die buddhistischen Lehren und Methoden anwenden, um die eigenen Fehler, Schwächen, Mängel besser zu verstehen und sie zu überwinden und gleichzeitig unsere positiven Qualitäten verstärken. Wir müssen die Fehler in unserer normalen Art und Weise zu denken, zu handeln und anzuhaften erkennen. Erfolg oder Fortschritt in der Praxis zeigt sich, wenn wir die Objekte, Dinge, Menschen, an denen wir festhalten, mehr erkennen und leichter loslassen können, dass wir toleranter, geduldiger, mitfühlender werden und weniger ich-bezogen nur nach Erfüllung der eigenen Wünsche und Bedürfnisse streben. Wir lernen ununterbrochen darüber zu reflektieren, was für Auswirkungen durch bestimmte Handlungen entstehen werden. So können wir zu wahren Praktizierenden werden mit einem offenen, weiten, aufnahmebereiten und anpassungsfähigen Geist. Wir werden geschickt, sorgsam und liebevoll im Umgang mit anderen und haben ein stabiles Verständnis der Dharmalehren.

Der Prozess auf dem Dharma-Weg ist folgendermaßen:

  • Die Fehler aufgezeigt zu bekommen, ist das Studieren der Lehre.
  • Die eigenen Fehler erkennen, ist das Verstehen des Dharma.
  • Die Fehler zu verändern, ist das Praktizieren des Dharma.

Dabei sind die nützlichsten Dinge für uns die, die wir nicht hören wollen. Aber wir müssen lernen, in den Spiegel zu schauen und das eigene Gesicht so wahrzunehmen, wie es ist, mit allen Fehlern, und und diese dann korrigieren.

Dharma ist ein zentraler buddhistischer Begriff mit unterschiedlichen Bedeutungen. Aber in erster Linie steht er für die buddhistischen Lehren (Buddha-Dharma). Gemeint sind hier nicht nur belehrende Worte oder ein Buch, sondern die lebendige Lehre, die über bloße Lehrreden hinausgeht. Dharma auch erklärt als „das, was wahr ist“, das jeder Überprüfung standhält.

  • Teaching angelegt von Frank
  • letzte Bearbeitung am: 17. Juli 2024