Kagyu Samye Dzong Kirchheim e.V.

Die Vier Dharmas von Gampopa

Es ist wichtig, dass der Dharma zum Dharma wird, dass Dharma als Pfad zur Erleuchtung erfolgreich ist, dass die Täuschung über den Weg beseitigt wird, und dass Verwirrung in Weisheit umgewandelt wird.

Wenn wir uns mit dem Dharma beschäftigen, liegt eines unserer Probleme darin, dass wir an den einzelnen Worten hängen und die Bedeutung dahinter nicht begreifen – dieser Gedanke stammt von Drupon Khen Rinpoche. Der Begriff Dharma kann verstanden werden als „Veränderung zum Besseren“. Ganz häufig ist uns das nicht klar. Aber worum es eigentlich geht, ist, dass wir eine Veränderung herbeiführen, unser Verhalten und unsere geistige Haltung korrigieren. Der Dharma ist die Methode, mit der diese Veränderung gelingt. Wenn Gampopa in seinem ersten Dharma formuliert „es ist unerlässlich, dass aus Dharma Dharma wird“, dann ist damit die erfolgreiche Veränderung gemeint. Dazu reicht es aber nicht, Worte auswendig zu lernen, wir müssen auch ihre Bedeutung verstehen, durchdringen und reflektieren. Erst wenn wir von uns sagen können, dass wir unser Verhalten und unsere Geisteshaltung reflektiert und die Dringlichkeit der Veränderung erkannt haben, haben wir ein Verständnis der Worte erreicht. Erst dann können wir unsere negativen

Verhaltensweisen als einen Ausgangspunkt für die Veränderung zum Guten nutzen – genau dann wird Dharma zu Dharma, sagt Drupon Rinpoche. In der Reflexion ist es notwendig, sich darüber Gedanken zu machen, was uns selbst Leid verursacht; genau das wird auch Leiden für andere bedeuten. Wenn wir das erkennen, können wir an der Veränderung arbeiten. Wie wir mit Körper, Rede und Geist handeln, soll auch Gegenstand der Reflexion sein. Möglicherweise haben diese Handlungen nicht sofort eine negative Auswirkung für uns, vielleicht liegen die Wirkungen irgendwann in der Zukunft. Mithilfe des Dharmas können wir uns aber selbst erkennen, und eine Veränderung herbeiführen.

Gampopas erstes Dharma beinhaltet aber auch die Möglichkeit, dass Dharma eben nicht zu Dharma wird. Drupon Rinpoche erklärt dies so: Wir können fleißig studieren und möglicherweise sogar einen Retreat machen und uns trotzdem nicht verändern, weil wir durch unser Studium und den Retreat unter Umständen stolz und hochmütig werden. Auch wenn wir stolz sind, dass wir einer bestimmten Gruppe, z.B. einer bestimmten Linie, angehören, wird Dharma nicht zu Dharma, da wir damit nur wieder unsere Anhaftung fördern. Wenn wir den Dharma auf diese Weise anwenden, und dadurch unseren Stolz und unsere Anhaftung pflegen, dann kann diese falsche Dharmapraxis überaus schädlich sein, da durch sie Eifersucht und Streit entstehen. Sich außerdem darauf zu verlassen, dass Spenden und Opfergaben ausreichen werden, um etwas zu erreichen, ist eine weiteres Beispiel dafür, dass Dharma nicht zu Dharma wird. Spenden und Opfergaben allein ohne die richtige Motivation können keine Veränderung herbeiführen. Wer mit der richtigen Motivation eine Spende macht oder Opfergaben darbringt, verringert dadurch seine Anhaftung an weltliche Reichtümer und führt seine eigene Veränderung herbei.

Eines unserer größten Hindernisse ist, dass wir stets auf die äußeren Begebenheiten achten, es uns aber schwerfällt, den Blick nach innen zu wenden und unsere Denkweise und unseren Geist zu betrachten. Möglicherweise haben wir Belehrungen zu Karma, dem Gesetz von Ursache und Wirkung gehört – inwiefern haben wir uns aber danach verändert? Wenn wir nur an den äußeren Begebenheiten, den einzelnen Worten einer Belehrung hängen und nicht deren Bedeutung verinnerlichen, wenn unsere ganze Energie in unser Alltagsleben fließt und wir nur noch wenig Anstrengung für die Dharmapraxis aufbringen können, dann sehen wir uns vor einer Reihe von Hindernissen in unserer Praxis.

Wäre unser jetziges Leben ein Tag und alle zukünftigen Leben unser gesamtes Leben, wäre es dann nicht eigenartig, wenn wir unsere gesamte Anstrengung nur in einen einzigen Tag stecken würden?

Beitrag von Sonja Molitor

Es ist sehr wichtig zu fragen: Ist die buddhistische Lehre etwas Gutes oder nicht? Hilft sie Lebewesen oder nicht? Wenn die Antwort lautet, dass sie gut ist, solltest Du Dharma praktizieren. Dann wird es hilfreich für dich und andere sein. Wenn du zu dem Schluss kommst, dass die Dharmapraxis hilfreich ist, musst du sie kennen. Dann musst du die verschiedenen Aspekte wie Erklärungen, Einweihungen, mündliche Übertragungen aufnehmen.

Wenn wir von Nutzen sein wollen, müssen wir sicher sein, dass wir Dharma ohne Fehler praktizieren. Wir müssen sicher sein, dass wir die authentischen Worte des Buddha praktizieren. Wir müssen uns bewusst sein, dass die Lehren und ihr Nutzen verloren gehen, wenn wir sie nicht studieren und die richtigen Übertragungen erhalten.

Wenn wir an den Buddha glauben, nutzen wir die Lehren zum Wohle anderer. Was zählt ist, dass die Anweisungen, die wir erhalten, echt sind, und wir sie von einem authentischen Lehrer erhalten. Auf diese Weise können wir uns entwickeln und wir zur Verwirklichung kommen.

Drupon Rinpoche, Samyeling, August 2010

  • Teaching angelegt von Frank
  • letzte Bearbeitung am: 17. Juli 2024