Den Geist in den vier grenzenlosen Eigenschaften üben
Wir beginnen mit Unparteilichkeit, denn, um wirklich grenzenlos zu sein, muss diese Haltung alle Wesen einschließen und darf sich nicht nur auf jene, die uns nahestehen oder uns wichtig sind, beziehen. Unser Ziel ist, dass sich alle Liebe, alles Mitgefühl und die Mitfreude am Wohl der anderen, die wir entwickeln, ausnahmslos auf alle Wesen beziehen. Unparteilichkeit (tibet.: tang nyom) – Mit grenzenloser Unparteilichkeit ist nicht gemeint, Freunde und Feinde als ein und dasselbe anzusehen, ohne besonderes Mitgefühl, oder Abneigung. Das wäre leblose Unparteilichkeit, die weder schadet noch Segen bringt.
Das Bild, das wir verwenden, um wahre Unparteilichkeit zu beschreiben, ist das eines Festmahls, zu dem ein großer Weiser einlädt. Wenn die großen Rishis der Vergangenheit ein Fest gaben, pflegten sie die unterschiedlichsten Menschen einzuladen, Hoch- und Niedrigstehende, Mächtige und Arme, Gute und Böse, außergewöhnliche und gewöhnliche Menschen, ohne Unterschiede irgendwelcher Art zu machen. In ähnlicher Weise sollte unsere Einstellung zu allen Wesen in der grenzenlosen Weite des Universums ein umfassendes Mitgefühl sein, das niemanden ausschließt. Übt euren Geist so lange, bis ihr diesen Zustand unbeschränkter Unparteilichkeit erreicht habt.
Quelle: Patrul Rinpoche – Die Worte meines vollendeten Lehrers, Seite 262