Versprechen, Verpflichtung, Gelübde
Wenn wir Zuflucht nehmen, beschließen wir, uns auf den buddhistischen Pfad einzulassen und uns entsprechend zu verhalten und weiterzuentwickeln. Aus diesem Grund nehmen wir Versprechen oder Verpflichtungen und Gelübde auf uns. Die fünf Versprechen für Laien sind, nicht töten, nicht stehlen, kein sexuelles Fehlverhalten, nicht lügen und keine Rauschmittel einnehmen. Wir können uns entscheiden, eins, zwei, drei, vier oder alle fünf von diesen Verpflichtungen einzuhalten.
Der Lehrer, der die Gelübde gibt, spricht einen Text, der alle fünf enthält und wir nehmen im Geist, die, die wir nehmen möchten. Wenn wir diese Versprechen nehmen, ist es besser, die Augen nicht größer als den Magen zu sein lassen. Wir nehmen nur die Versprechen, von denen wir denken, dass wir sie für eine gewisse Zeit oder bestenfalls für den Rest des Lebens halten können. Es macht keinen Sinn, etwas zu versprechen, von dem wir nicht sicher sind, dass wir es halten können.
Wir müssen uns sehr klar darüber sein, was diese Versprechen sind. Nicht töten bedeutet in diesem Zusammenhang, nicht wissentlich und absichtlich zu töten. Andernfalls würde das Trinken von einem Glas Wasser, oder das Töten der Tiere, die wir mit jedem Schritt, den wir tun, zerquetschen, das Brechen dieses Versprechen bedeuten. Wir sollten nicht so tun, als ob diese Dinge nicht zählten, aber wir müssen uns sehr klar darüber sein, dass unser Versprechen sich darauf bezieht, kein Lebewesen absichtlich zu töten. Wir müssen immer noch Medizin nehmen und wir müssen immer noch Nahrung zu uns nehmen, und wir müssen immer noch Wasser trinken. Wir müssen uns der Wirklichkeit stellen, dass die Dinge, die wir tun, um zu überleben, nicht hundertprozentig in Ordnung sind. Sogar wenn wir unser eigenes Gemüse zögen, mussten wir es besprühen und so Insekten schädigen, denn andernfalls würden die Insekten das Gemüse auffressen und es bliebe nichts für uns übrig.
Wenn wir sagen, dass wir nicht stehlen werden, laufen wir der gleichen Dinge Gefahr. Alles in diese Welt gehört allen. Vögel, Götterwesen, Geisterwesen, Tiere, Menschen, alles gehört uns gemeinsam, aber wir Menschen drängen alle anderen zur Seite und tun so, als ob die Dinge wirklich unsere wären. Nehmen wir Bäume beispielsweise. Sie bieten ein Zuhause und Nahrung für Vögel und Insekten, schützen Tiere und Menschen, wir aber fällen sie und machen uns schöne Möbel. Mein Haus zum Beispiel ist voller Einrichtungsgegenstände aus Holz. Ich mag Einrichtung aus Holz. Wir müssen anerkennen, dass das ebenfalls stehlen ist, denn es bedeutet, etwas zu nehmen, das jedermann gehört.
Das ist genau so wahr für Milch. Kühe geben uns nicht freiwillig ihre Milch, sie produzieren sie für ihre Kälber. Aber all das gehört nicht zum Versprechen, nicht zu stehlen. Wenn wir sagen: „Ich werde nicht stehlen“, dann bedeutet das nur, dass wir nicht wissentlich jemand anderem Geld oder Besitz wegnehmen werden, wenn es uns nicht mit Absicht gegeben wurde. Es bedeutet nicht, dass wir nicht mehr Käse oder Gemüse essen oder Milch trinken.
Das nächste ist, nicht zu lügen. Jeden Morgen, wenn wir unsere Freunde treffen und sie uns fragen, wie es uns geht und wir antworten: „Gut. Mir geht es gut, danke“, dann ist das eine Lüge. Niemandem geht es wirklich permanent gut, jedermann hat Probleme. Wenn wir dieses Versprechen nehmen, versprechen wir nicht, von dieser Art der Lüge abzusehen, sondern wir versprechen nicht absichtlich zu lügen, um etwas für uns selbst zu erhalten, egal welche Folgen für andere daraus entstehen werden. Wir sprechen, Dinge nicht so zu verdrehen, dass wir andere täuschen, um das bekommen, was wir wollen.
Es gibt auch gute Lügen. Lügen, die ein Leben retten können, zum Beispiel. Wir sagen, dass wir nicht lügen werden, und meinen damit, dass wir keine Lüge zu unserem eigenen Zwecke, ohne Miteinbeziehung des Wohls der anderen erzählen werden. Die schlimmste dieser Art von Lügen ist die spirituelle Lüge, das bedeutet, über die eigenen spirituellen Erkenntnisse und Fähigkeiten zu lügen.
Sexuelles Fehlverhalten zu unterlassen, ist das nächste Versprechen. Es gibt sehr viele Details, die in diesem Gelübde enthalten sind, worauf es aber wirklich hinausläuft ist, dass wir, sofern wir nicht vollkommen enthaltsam leben, nur mit dem eigenen Partner Sex haben, und andere nicht durch unser unmoralisches Verhalten leiden.
Das letzte Versprechen ist, keinerlei berauschende Mittel einzunehmen, außer Medizin. Wenn uns unser Arzt dazu rät, eine gewisse Medizin einzunehmen, dann sollten wir sie einnehmen, sogar, wenn sie berauschend wirken könnte. Wenn wir krank sind, nehmen wir sie ein.
Wie ich bereits sagte, können wir eins, zwei, drei, vier oder alle fünf Versprechen, oft auch Laiengelübde genannt, nehmen. Diese Laiengelübde zu nehmen, bringt uns mehr Nutzen, als wenn wir uns nur einfach dieser Handlungen enthalten. Indem wir diese Versprechen nehmen, lassen wir uns mit voller Absicht darauf ein, diese Handlungen zu unterlassen und das ist viel, viel nützlicher, als sie per Zufall nicht auszuführen. Wenn wir uns bereits so verhalten, als hätten wir diese Versprechen genommen, dann macht dieser bewusste Entschluss unser Verhalten noch bedeutungsvoller. Alle früheren Meister der Übertragungslinie haben diese Gelübde eingehalten, und sie zu nehmen bedeutet, dass wir die Möglichkeit haben, unser natürliches Verhalten noch edler und erhabener zu machen.
Quelle: 12. Chamgon Kenting Tai Situ Rinpoche. Grundlage, Pfad und Ergebnis