Kagyu Samye Dzong Kirchheim e.V.

Über inneren Frieden

Äußerer Friede ist die andere Seite des inneren Friedens und oftmals verwechseln wir die beiden. Äußerer Friede ist etwas, das alle gemeinsam erfahren, während innerer Friede vom einzelnen erlebt wird. Natürlich können andere den inneren Frieden eines Mitmenschen erfahren, aber möglicherweise gibt es einen recht großen Unterschied zwischen dem, was die einen von außen erleben, und dem, was derjenige, der den inneren Frieden erreicht hat, erfährt. Religiös und philosophisch gesehen kennen wir den inneren Frieden als Reines Land oder Buddhaschaft usw.

Diese Begriffe beschreiben aber auch äußeren Frieden. Die ganze Welt in ein Reines Land zu verwandeln erscheint jedoch als eine sehr schwierige Aufgabe. Individueller Frieden allerdings ist nicht nur möglich, sondern Bestimmung. Innerer Friede bedeutet, dass man sich zufrieden und zuversichtlich fühlt und nicht durch Geschehnisse egal welcher Art negativ beeinflusst wird. Alles, was geschieht, hat einen positiven Einfluss auf uns. Tai Situpa beschreibt das so: „Wenn Wasser über dich hereinbricht, bist du ein Fisch. Wenn Wind weht, bist du ein Vogel. Wenn sich ein Berg auftürmt, bist du einer der Felsen darin.

Wenn sich der Raum auftut, dann bist du Sonne, Mond und Sterne.“ Manche Menschen, wahre Yogis, erfahren den inneren Frieden die ganze Zeit über. Wir jedoch erleben den inneren Frieden nicht immer. Auf unserem Weg zum inneren Frieden rutschen wir manches Mal neun Zehntel des Weges, den wir schon hinter uns gebracht haben, wieder zurück. Aber dann haben wir trotzdem ein Zehntel gewonnen! Wenn die Rede auf äußeren Frieden kommt, dann weiß jeder, was damit gemeint ist. Der innere und äußere Friede ist alles, worum es im Leben und im Dharma geht. Erreicht man inneren Frieden, wird sich der äußere Frieden entwickeln. Aber bei 7,8 Milliarden Menschen auf der Welt könnte man sich fragen, was da der innere Frieden eines einzelnen Menschen bewirken kann.

Tai Situpa sagt dazu: „Ich bin eines von 7,8 Milliarden menschlichen Wesen auf dieser Erde. Wie kann meine Zufriedenheit andere Wesen beeinflussen? Stellt euch einen See vor. Stellt euch außerdem vor, man würde eine Tasse einer schönen Farbe, Rot, Grün, Violett, in den See gießen. Vielleicht ändert das nicht sehr viel an der Farbe, der See wird möglicherweise ein bisschen farbiger. Aber wenn eine Tasse Farbe keinen Unterschied machen kann, dann können auch 7,8 Milliarden Tassen Farbe keinen Unterschied machen.“ Der Einfluss, den wir haben, hängt vom Ausmaß unseres inneren Friedens ab. Die großen Arhats wie Ananada wurden von Buddha Shakyamuni beeinflusst. Und diese Arhats haben auch einen Einfluss auf uns: Wir lernen etwas über den Dharma.

Aber wie kann es möglich sein, dass der innere Frieden eines menschlichen Wesens einen Effekt auf die Wesen aller sechs Daseinsbereiche hat? Jeder von uns kommt aus diesen Daseinsbereichen, wir waren schon unzählige Male dort: Wir waren unter den Göttern, den Tieren (als Löwe oder als Staubmilbe), den Hungergeistern und den Höllenwesen. Der innere Frieden von Buddha Shakyamuni hatte einen Einfluss auf alle Wesen in allen Daseinsbereichen. Und der innere Frieden jedes einzelnen Praktizierenden beeinflusst auch andere Wesen. Tai Situpa ruft in Erinnerung, wie viele von uns ein Haustier halten, das eher ein Familienmitglied ist. Und er weist darauf hin, wie sehr sich eine Beziehung zwischen uns und diesem Tier entwickelt, die so groß ist, dass Hunde beispielsweise sogar riechen können, wenn wir krank sind.

Auch Tiere fühlen, auch sie haben die Buddhanatur und unser innerer Friede kann sie positiv beeinflussen. Wenn wir an den äußeren Frieden denken, dann denken wir meist automatisch an Weltfrieden. Wir denken an all die Konflikte und Kriege, die geschehen sind und immer noch ausgetragen werden, und wir stellen uns den Frieden als Abwesenheit all dieser Konflikte und Kriege vor.

Allerdings lehrt uns die erste Edle Wahrheit, dass Frieden Erlöschen ist. Das Erlöschen des Grundes und der Bedingung, die den inneren Konflikt in uns schafft, der sich dann als äußerer Konflikt zeigt. Und manche von uns haben ein bestimmtes Karma, das sie ihren inneren Konflikt nach außen und auf andere projizieren lässt, indem sie einen Krieg anzetteln. […] Eigentlich meinen wir eine einzige Sache, wenn wir von innerem Frieden, Weltfrieden und universeller Harmonie sprechen. Unsere Selbstsucht, Gier, Eifersucht, Hass und unser Stolz halten uns aber davon ab, diese Harmonie zu erleben.

Dies alles ist in unserer Unwissenheit begründet. […] Der Grund und die Bedingung, die verhindern, dass äußerer Friede entsteht, ist unser Glaube an ein Selbst, ein Ego. 

  • Teaching angelegt von Frank
  • letzte Bearbeitung am: 7. Juli 2024