Kagyu Samye Dzong Kirchheim e.V.

Der Dalai Lama

26. Mai 2021

Zu diesem glückverheißenden Anlass, an dem wir der Geburt Buddhas, seiner Erleuchtung und seines Eintritts ins Mahaparinirvana gedenken, möchte ich meine Grüße an alle buddhistischen Mitmenschen auf der ganzen Welt richten.

Buddha Shakyamuni wurde als Prinz des Shakya-Clans im alten Indien vor etwa 2600 Jahren geboren. Die Pali- und Sanskrit-Traditionen erklären, dass der Buddha die Erleuchtung in der Morgendämmerung des Vollmondtages erlangte, den wir Buddha Purnima nennen. Beide Traditionen stimmen darin überein, dass er nicht von Anfang an erleuchtet war, sondern zum Buddha wurde, indem er die richtigen Bedingungen erfüllte und sich bemühte, die beiden Ansammlungen von Verdienst und Weisheit anzuhäufen. Nach der Sanskrit-Tradition musste er dies über viele Zeitalter oder Äonen hinweg tun, was dazu führte, dass er die vier Körper eines Buddha manifestierte – den Körper der Natürlichen Wahrheit, den Körper der Weisheitswahrheit (Dharmakaya), den Körper des vollständigen Genusses (Samboghakaya) und den Körper der Emanation (Nirmanakaya).

Die vollständige Absorption eines Buddhas in der Meditation über die Leerheit ist der Weisheits-Wahrheits-Körper, aus dem heraus er sich in verschiedenen Formen manifestiert. Der Körper des vollkommenen Genusses erscheint den Arya-Bodhisattvas (besonders hoch entwickelte Bodhisattvas ab der 8. Bodhisattva-Stufe), während der Emanationskörper für alle sichtbar ist. Buddha Shakyamuni war ein Höchster Emanationskörper, die Quelle eines kontinuierlichen Flusses von Aktivitäten zum Wohle der fühlenden Wesen.

Die Lehre des Buddha ist im Wesentlichen praktisch. Sie ist nicht nur für eine Gruppe von Menschen oder ein Land gedacht, sondern für alle fühlenden Wesen. Die Menschen können diesem Pfad entsprechend ihrer Fähigkeit und Neigung folgen. Ich zum Beispiel habe meine buddhistische Ausbildung als Kind begonnen, und obwohl ich jetzt fast 86 Jahre alt bin, lerne ich immer noch. Deshalb ermutige ich, wann immer ich kann, Buddhisten, die ich treffe, Buddhisten des 21. Jahrhunderts zu sein, zu entdecken, was die Lehre wirklich bedeutet und sie in die Tat umzusetzen. Das bedeutet, zuzuhören und zu lesen, über das Gehörte und Gelesene nachzudenken und sich tief damit vertraut zu machen.

Obwohl sich unsere Welt seit der Zeit des Buddha wesentlich verändert hat, ist die Essenz seiner Lehre heute noch genauso relevant wie vor 2600 Jahren. Sowohl die Pali-Tradition als auch die Sanskrit-Tradition verfügen über Methoden, um Befreiung von Unwissenheit und Leiden zu erlangen. Der Rat des Buddha lautete, einfach ausgedrückt, anderen nicht zu schaden und ihnen zu helfen, wann immer wir können und auf welche Weise auch immer.

Wir können damit beginnen, indem wir erkennen, dass alle anderen genauso sind wie wir, indem sie Glück wollen und Leiden ablehnen. Das Streben nach Freude und Freiheit von Leiden ist das Geburtsrecht aller Wesen. Aber das persönliche Glück hängt sehr stark davon ab, wie wir uns anderen gegenüber verhalten. Indem wir ein Gefühl des Respekts für andere und eine Sorge um ihr Wohlergehen entwickeln, können wir unsere eigene Selbstbezogenheit reduzieren, die die Quelle vieler unserer eigenen Probleme ist, und unsere Gefühle der Freundlichkeit verstärken, die eine natürliche Quelle der Freude sind.

An diesem verheißungsvollen Tag werden Buddhisten an heiligen Orten wie Bodhgaya, Lumbini und Kandy sowie in anderen buddhistischen Ländern Gebetsgottesdienste abhalten. Lassen Sie uns gemeinsam alles tun, was wir können, um die globalen Bedrohungen zu überwinden, mit denen wir konfrontiert sind, einschließlich der Covid-19-Pandemie, die so viel Schmerz und Not über die Welt gebracht hat.     

Mit meinen Gebeten und guten Wünschen, 
Dalai Lama, 26. Mai 2021    

  • Teaching angelegt von Stephan
  • letzte Bearbeitung am: 16. April 2024