Über den Schutz des Waldes
von Karmapa Ogyen Trinley Dorje
Bäume haben im Buddhismus eine große Bedeutung. Buddha Shakyamuni wurde geboren, als seine Mutter an einen Baum lehnte, erlangte seine Erleuchtung sitzend unter dem Bodhi-Baum und schließlich ging er ins Paranirvana ein zwischen zwei Bäumen. Die Wälder in Tibet und dem Himalaya sind besonders reich und voller Ressourcen. Sie spielen überall auf der Welt eine wichtige, lebensspendende Rolle. Sie versorgen Millionen von Menschen mit Holz für Brennmaterial, Bauholz für Häuser, Futter für Tiere, Nahrung und Medizin.
Sie sind auch die Heimat für erstaunliche Wildtiere wie Tiger, Elefanten, Bären, Leoparden, eine Vielzahl von Vögeln, die in den Bäumen nisten, und eine große Vielfalt an Amphibien und Insekten. Wälder haben einen weiteren sehr wichtigen Zweck: Sie sind Teil eines natürlichen Kreislaufs, der für sauberes Wasser und saubere Luft sorgt. Jeder Atemzug, den wir einatmen, besteht aus Sauerstoff. Wenn wir ausatmen, atmen wir Kohlendioxid aus. Bäume hingegen nehmen Kohlendioxid auf und atmen Sauerstoff aus. In einem Jahr atmet ein durchschnittlicher Baum 12 Kilogramm Kohlendioxid ein und atmet genug Sauerstoff für eine vierköpfige Familie aus.
Da Bäume auch Wasser aufnehmen und lange speichern, sorgen Wälder für viel Feuchtigkeit in der Luft. Wenn diese Feuchtigkeit verdunstet, verschwindet sie nicht, sondern kondensiert zu Wolken, die schließlich zu Regen führen. Aus diesem Grund regulieren Wälder den Wasserfluss in vielen Gebieten und können Überschwemmungen eindämmen. Außerdem verringern sie die Bodenerosion. Dies ist besonders wichtig in den Bergregionen des Himalaya und des tibetischen Plateaus, wo es viele Überschwemmungen und Erdrutsche gibt.
Da die durch Umweltverschmutzung und Klimawandel verursachten Probleme immer größer werden, ist der Schutz unserer Wälder eine der wenigen Chancen, ein natürliches Gleichgewicht wiederherzustellen.
Quelle: Karmapa Ogyen Trinley Dorje – Environmental Guidelines