Über das richtige Verständnis von Dharma-Praxis
von HH 17. Karmapa
Der Begriff „Dharma“ für die Lehren Buddhas begegnet uns die ganze Zeit.
Dharma ist ein Sanskritwort und hat eine vielschichtige Bedeutung. Das tibetische Wort „Chö“ für Dharma bedeutet hauptsächlich „Verwandlung“. „Chö “ ist eine Ableitung des Wortes „Chöi“- „verändern, verwandeln“.
Karmapa erläutert, dass die essentielle Bedeutung von Dharma ist , unseren eigenen Geist zu zähmen, um eine Veränderung zum Besseren in uns zu bewirken.
Traditionelle tibetische Meister gaben ihren Schülern in der Vergangenheit einen „Herzensrat“, der direkt aus ihrer eigenen Erfahrung stammte. Sie alle betonten, dass Dharmapraxis im Sinne von Dharma praktiziert werden muss. Verschiedene Menschen werden das unterschiedlich verstehen. Manche werden denken, dass Dharmapraxis Niederwerfungen bedeutet, oder Opfergaben oder Rituale. Andere werden an das Studium heiliger und philosophischer Texte denken. Wieder andere werden sofort an Meditation denken…
Es gibt viele Interpretationsmöglichkeiten für Dharmapraxis und deshalb ist es entscheidend, ein klares Verständnis wirklicher Dharmapraxis zu entwickeln. Es kommen viele Menschen zu mir und wollen Dharma praktizieren, und sie meinen damit Äußerlichkeiten. Zum Beispiel jemand macht Niederwerfungen oder trägt plötzlich eine Mala und rezitiert Mantras. Andere denken dann: „Ah, hier ist jemand ein Buddhist.“
Aber wir müssen tiefer gehen, um zu sehen, ob jemand wirklich begonnen hat, Dharma zu praktizieren oder nicht.
Ich wuchs in einem buddhistischen Umfeld auf. Jeder betrachtet sich da automatisch als Buddhist. Da fragt niemand: „Bist du Buddhist?“. Niemand stellt das in Frage oder hat Zweifel daran. Aber man kann sich eine andere Frage stellen: „Bist du ein guter Mensch?“ Wenn ich mich selbst untersuche, dann finde ich manchmal, dass ich ein guter Mensch bin. Aber zu anderen Zeiten muss ich sagen: „Vielleicht nicht so sehr….“. Diese Frage scheint also schwieriger zu sein als die Frage „Bist du Buddhist?“
Wenn ich mich wirklich ehrlich untersuche, dann scheine ich die meiste Zeit kein so großartiger Mensch zu sein. Und da kommen wir in eine widersprüchliche Situation: Es ist kein Problem, uns als Buddhist zu sehen, aber Unsicherheit, ob wir gute Menschen sind….
In Wirklichkeit aber ist es so, dass ein Buddhist auf einem sehr hohen Level von „guter Mensch“ sein sollte. Ein wahrer Praktizierender ist nicht einfach nur ein „guter Mensch“ sondern ein „hervorragender Mensch“. Buddhist zu sein bedeutet nicht, anders auszusehen und seltsame Dinge zu tun. Die Hauptsache ist, ein besserer Mensch zu werden; zu versuchen, eine positive Haltung und ein größeres Herz und einen weiteren Geist zu entwickeln.
Tatsächlich bedeutet es, negative Aspekte unserer Persönlichkeit zu verändern. Das kann eine große Herausforderung sein. Manche Leute sagen sich da vielleicht: „Das ist meine Persönlichkeit, da kann ich nichts machen, so bin ich eben….“.
Aber der Buddhismus hat einen anderen Ansatz: „Nein, das ist deine Persönlichkeit und du solltest unbedingt etwas daran ändern, wenn sie negative Aspekte beinhaltet.“
Wir können wirklich daran arbeiten, diese Anteile zu verwandeln. Wenn wir das mit Zuversicht und von Herzen kommend versuchen, dann werden wir vielleicht diese Ebene erreichen, wo wir sagen können, dass wir Buddhist sind. Und selbst wenn wir das nicht sagen möchten, dann sind wir zumindest tatsächlich ein guter Mensch.
In der Praxis geht es also darum, für die eigenen störenden Gefühle Gegenmittel anzuwenden, um die negativen Anteile unserer Persönlichkeit und unseres Charakters umzuwandeln. Und es ist wichtig, das mit ganzem Herzen und großer Entschlossenheit zu tun.