Kagyu Samye Dzong Kirchheim e.V.

Über Vegebung und Sorge für Eltern und Kinder

Bedingungslose Vergebung ist etwas, das wirklich alle von euch haben sollten! Es gibt gute Gründe hierfür. Manchmal bereiten euch eure Kinder große Schwierigkeiten. Und wenn ihr dann nicht bedingungslos vergeben könnt, werdet ihr sehr schwer aneinander geraten. Bedingungslos bedeutet nicht, dass ihr erwartet, dass immer alles perfekt läuft. Wir streben oft Perfektion an. Wenn du sehr weise bist und in deinem Geist Ordnung schaffst, ist alles in Ordnung. Es gibt das Sprichwort „erwarte nicht, dass alle in deine Schuhe passen. Wenn du aber lernst in die Schuhe der anderen zu passen, hast du keine Probleme.“ Das bedeutet, dass man nicht ständig andere beurteilen oder verurteilen sollte, nicht bewerten als „gut“, „schlecht“, „richtig“ oder „falsch“. Beobachte stattdessen dich selbst! Woher habe ich das Recht andere zu beurteilen? Warum sollte ich immer nach den Fehlern anderer suchen und sie beurteilen? Ein guter Buddhist zu sein bedeutet daher, als erstes seinen eigenen Geist beobachten und kennenlernen. 

Ein gutes Beispiel: Wenn ihr einen sehr offenen, weiten und positiven Geist habt, dann sind sogar eure Träume die allerschönsten Träume. Wenn ihr einen sehr negativen, sehr ärgerlichen Geist habt, dann habt ihr Albträume! Ihr könnt das also an euren Träumen erkennen. Was in eurem Geist ist, manifestiert sich in euren Träumen. Ihr müsst euch also denken „ich habe eine Wahl!“ Wieso sollten wir unseren Geist nicht leiten, ihn nicht lehren, das zu haben, was wir die richtige Sichtweise nennen? Die richtige Sichtweise bedeutet in Europa normalerweise alles zu benennen und zu beurteilen. Wenn hier jemand eine Art emotionales oder mentales Trauma hat, hat man hier eine sehr merkwürdige Bezeichnung dafür. Ihr nennt das ein psychisches Problem. Aber wenn ihr ein guter Buddhist seid, dann existiert für euch glücklicherweise der Geist gar nicht. Also habt ihr keine geistigen Probleme! (lacht) Wenn der Geist nicht existiert, wie kann er dann ein Problem haben? Wenn ihr in der Lage seid zu reflektieren, wenn ihr zu einem Psychiater geht und sagt „ich habe ein mentales Problem“. Ihr könntet den Psychiater fragen, kannst du mir bitte zeigen, wo mein Geist ist? Dann kann ich damit arbeiten.

Ihr wundert euch vielleicht, wie ich sagen kann, dass der Geist nicht so fest existiert, wie wir denken. Man kann euch den Geist nicht zeigen. Wenn ihr in der Meditation sitzt und danach sucht, werdet ihr nichts finden, das man Geist nennen könnte, also wo kann dann ein Problem sein? Das Problem ist, dass ihr eine sehr große Angst entwickelt. Einen sehr starken, gestressten Geisteszustand. Dann denkt ihr der Geist hat ein Problem. Aber dafür ist die falsche Sichtweise verantwortlich. 

Ihr, die ihr alle zu meinem Vortrag gekommen seid, rufe ich dazu auf, freundlicher zu euch selbst zu sein. Seid nicht so hart zu euch selbst! Und wenn ihr Kinder habt, seid freundlicher zu ihnen! Helft ihnen den richtigen Weg zu sehen! Zeigt ihnen, was richtig ist und zeigt ihnen, was falsch ist! Das nennt man richtige Erziehung. Das größte Problem in Europa ist die Unsicherheit, wenn man alt wird. Man weiß nicht, wie man das Ende seines Lebens erleben wird. Ich möchte, dass jeder mal darüber nachdenkt, dass wir alle alt werden. Wenn ihr alte Eltern habt, schaut nach ihnen! Schickt sie nicht weg, schickt sie nicht dahin, wo sie nicht hinmöchten. Kümmert euch um eure alternden Eltern, erzieht eure Kinder richtig!

Bitte, kümmert euch um eure alternden Eltern! Eines Tages werdet ihr alle alt werden, kümmert euch darum, dass eure Kinder lernen, was richtig und was falsch ist! Heutzutage lehrt ihr den Kindern überhaupt nichts mehr und nennt das Freiheit. Sie werden im Fernsehen alles lernen, was falsch ist. Sie werden so viel Zeit darauf verwenden fernzusehen, dass sie schlechte Augen davon bekommen. Menschen haben keine körperliche Energie mehr, da sie keine Körperübungen machen, ihr geht nicht mit den Kindern raus. Ihr solltet ihnen wirklich beibringen, was einen zu einem gesunden Menschen und was uns zu einer starken Person macht, nämlich gut und freundlich und weise sein. Das müsst ihr ihnen beibringen! Vielleicht seht ihr einmal eine Tiersendung über Elefanten. Wenn junge Elefanten keine Eltern haben und niemanden, der sich um sie kümmert, dann drehen sie durch, werden verrückt! In Südafrika haben sie viele verrückt gewordenen Elefanten, da ihre Eltern getötet wurden und sie keine Vorbilder haben.

Also behandelt eure Kinder nicht nach dieser falschen Freiheit. Das ist keine Freiheit, denn ihr übernehmt keine Verantwortung für sie. Wenn ihr Eltern seid, habt ihr eine Verantwortung. Bringt ihnen bei, was richtig ist! Das bedeutet es, Eltern zu sein. Wieso wollt ihr überhaupt Kinder haben, wenn ihr ihnen nichts beibringt? Gutes Denken! Und dafür müsst ihr keine Buddhisten sein. Junge Menschen wachsen durch rechtes Denken sehr gesund auf, geistig gesund, körperlich gesund, und dadurch gibt es weniger Unsicherheit in den Alten, denn sie wissen, dass sich ihre Kinder um sie kümmern werden. Jeder wird Sicherheit haben. Jeder wird sich sicher fühlen. 

Den Geist zu entwickeln bedeutet den Geist mit positivem Denken zu nähren. Denn wenn ihr einen guten, positiven Geist habt, ist er weniger krankhaft, gibt es weniger Probleme. Wenn ihr immer einen negativen Geist habt, dann werdet ihr niemals den blauen Himmel sehen, immer nur Regen und Wolken. Haben wir hier nicht die Wahl? Ja! Seid freundlich zu euch selbst, seid freundlich zu eurem Partner. Das bedeutet richtige Bedingungen zu schaffen.

Jeder sollte bedingungslos nach dem anderen schauen. Wenn ich mich um meinen Partner und um meine Kinder und ihre Erziehung kümmere und auch nach meinen Eltern schaue, dann wird es zu Hause Frieden und Harmonie geben. Wenn ihr es schafft auf diese Art zu praktizieren, dann seid ihr besser als die meisten Buddhisten. Es bringt nichts zu sagen man sei Buddhist, wenn man keine dieser Handlungen ausführt. Dann ist man ein nutzloser Buddhist. Ein guter Mensch behauptet vielleicht nicht von sich selbst ein Buddhist zu sein, aber er ist großzügig, hilfsbereit wann immer es die Möglichkeit gibt, anderen Menschen zu helfen. Das nennen wir die sechs Paramitas von Großzügigkeit, ethischem Verhalten, Geduld, freudigem Eifer, Konzentration und Weisheit. Weisheit bedeutet zu erkennen, dass jeder Frieden möchte. Also erschafft zuerst hier den Frieden!

Ich denke ich muss nicht mehr viel hinzufügen. Wenn ihr das anwendet, was ich gesagt habe, werden große Veränderungen in eurem Leben entstehen. Denn der Buddha hat gesagt, macht die Dinge nicht, weil ich es so gesagt habe. Buddhismus ist wirklich sehr gut, denn man kann debattieren. Überlegt und fragt euch, warum bedingungslose Vergebung so wichtig ist, oder wieso dieses grenzenlose Mitgefühl so wichtig ist.     

„Als guter Buddhist solltest du dich mehr darauf konzentrieren, deinen Geist zu schulen. Es gibt keinerlei Garantie dafür, dass die Anhäufung von Besitz, Macht, Reichtum in der Zukunft nützlich ist. Dies ist vielleicht gar nicht der Fall, denn es ist hundertprozentig sicher, dass der Klimawandel stattfindet. Wenn wir von Dharma-Praxis sprechen, geht es nicht darum, klug über Dharma zu denken oder über Dharma zu reden. Es geht um Wertschätzung, Wahrheit, Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit. Schaut stets nach Innen.

Fragt euch immer wieder: „Lasse ich mich wirklich auf die Praxis ein und praktiziere ich wirklich, oder bin ich nur oberflächlich dabei?“ Also bitte, praktiziert mit eurem Herzen.   Alles, was ich tue, sobald ich Zeit habe, ist zu beten. Ich bete für die Menschen, die gestorben sind, und ich bete auch für die Menschen, die einen wankelmütigen, irritierten Geist haben. Ein unsteter, verwirrter Geist hilft euch nicht weiter, weil ihr nicht wisst, wo ihr anfangen und wo aufhören sollt. Bitte gebt euch nicht den wankelmütigen Gedanken, Emotionen und Ängsten hin – sondern kehrt zur Praxis zurück.

Schaut in euch hinein. Schaut dorthin, wo dieses diffuse, unklare Gefühl ist. Das nennt man wahres Praktizieren. Wenn ihr nur einen Tag in der Woche regelmäßig Grundlagen- oder Ngondro-Praxis macht, wird euch das bereits zugutekommen. Manchmal könnt ihr alle zusammen üben und euch manchmal auch mit anderen darüber austauschen, damit es alle auch wirklich verstehen. Das Wichtigste ist das 100-silbige Dorje Sempa Mantra zur Reinigung von allen Hindernissen. Wenn wir keinen verwirrten Geist haben, können wir uns auf das konzentrieren, worauf wir unseren Geist richten wollen.

Das ist sehr einfach! Also praktiziert konsequent.

In Bezug auf den Retreat, den ihr nun beginnt, möchte ich sagen: Ein Retreat ist sehr gut für alle. Vor allem aber für euch, die ihr die meiste Zeit so sehr in den Alltag eingebunden seid, mit euren Partnern, euren Familien, euren Freunden und euren Jobs. In Retreat zu gehen sollte eine Freude sein und ein Zusammentreffen mit Gleichgesinnten. Deshalb solltet ihr niemals, wirklich niemals, bei den anderen Teilnehmern nach Fehlern suchen.

Denkt stattdessen immer daran, dass wir hier sind, um unsere Liebe, Freundlichkeit, unser Mitgefühl und unsere Toleranz auf Andere auszuweiten. Es geht auch um die richtige Balance. Wenn ihr also eine gewisse Zeit meditiert, und dann das Dorje Sempa Mantra rezitiert, dann denke ich, ist das sehr ausgewogen. Ich denke also, es ist gut. Wenn Ihr im Retreat den Fokus auf Dorje Sempa-Praxis und die Rezitation des Mantras legt, ist das gut. Ja, man sollte den Fokus auf Dorje Sempa legen, sonst wird Samsara niemals enden…“ 

  • Teaching angelegt von Frank
  • letzte Bearbeitung am: 19. Juli 2024