Belehrungen
Das, was wir Buddha-Geist oder Buddha-Natur nennen ist schon immer perfekt. Wenn wir in der Lage sind den unendlichen Raum zu sehen, wenn die Wolken verschwunden sind, dann gibt es keine Grenze, oder? Wenn er komplett frei ist von Wolken, wie großartig und frei ist der Raum? Das ist das einzige Beispiel, das wir finden können, um zu beschreiben, wie unser Geist sein sollte. Es gibt also nichts, das ihr tun könnt um ihn zu verbessern. Er braucht keine Verbesserung! Du kannst ihn nicht schlecht machen. Du kannst ihn nicht gut machen. Dann fragt ihr euch vielleicht „aber was machen wir dann?“ Entledigt euch des Unrats! Als erstes müsst ihr das erkennen.
Ich bin so voller Freude und deshalb habe ich das Bedürfnis euch aufzuwecken, euch zum Nachdenken zu bringen. Habt ihr schon einmal darüber nachgedacht, was ihr alles habt? Nicht besonders viele machen das. Alle denken immer nur daran, dass sie dies nicht haben, dass sie das nicht haben. Wo bleibt die Dankbarkeit? Wo die Wertschätzung? Ich habe so viel Dankbarkeit, ich brauche überhaupt nichts! Manche Menschen sagen mir „Lama Yeshe, du lebst im reinen Land, gehst zu Zentren, bekommst leckeres Essen, dir werden schöne Räume hergerichtet.“ Das stimmt, warum sollte ich also irgendwas brauchen? Wenn ihr wirklich Erfüllung anstrebt, seid dankbar! Sucht nicht immer nach Fehlern in eurem Partner, falls ihr einen habt. Und sucht nicht nach Leiden, wenn ihr keine habt. Was ihr hier hört ist „crazy Lama-Talk“.
Denkt daran, ihr habt immer die Wahl: Ihr müsst keine Buddhisten sein! Ihr müsst kein Buddha sein. Wenn wir vom wahren Buddha sprechen, dann meinen wir Weisheit und Mitgefühl. Nicht eine glatzköpfige Person, wie ihr sie normalerweise seht. Ein solcher Buddha wird von allen beansprucht. Man findet ihn überall, in Cafés, in Bars, in Restaurants. Doch das ist nicht der Buddha. Wenn wir von Buddha sprechen, meinen wir Weisheit und Mitgefühl.
Ich denke wir sollten alle die Absicht entwickeln, diese Qualitäten zu entwickeln! Es gibt nichts Schlechtes daran, freundlich zu sein, es ist nichts Falsches daran, tolerant zu sein. Es ist nichts Schlechtes daran, ein wirklich fürsorglicher Mensch zu sein. Daher ist meine Nachricht immer, egal wohin ich gehe: In unseren Zentren, wie diesem hier, werden wir niemals jemanden diskriminieren, der das Zentrum besucht, solange die Person Nutzen daraus ziehen kann, hierher zu kommen. Wir werden sie nicht abweisen aufgrund ihrer Hautfarbe, ihrer Religion oder ihres Glaubens. Das geht uns alles nichts an. Was lehren wir denn? Wir lehren, dass wir Menschen sind. Wir sollten eigentlich intelligent sein. Daher sollte die oberste Priorität sein, dass Menschen lernen gut miteinander auszukommen.
Wenn man mal aufs Land fährt und sich dort umschaut, wird man erkennen, dass Schafe miteinander klarkommen. Sie müssen gut miteinander auskommen um Schafe zu sein. Bei Kühen ist es genauso. Kühe müssen auch miteinander auskommen um Kühe zu sein. Und Pferde kommen auch miteinander klar. Menschen sind die einzigen, die mit ihresgleichen nicht auskommen. Da erkennt man, dass wir unsere Intelligenz völlig missbrauchen. Um wirklich sagen zu können, dass wir Weisheit besitzen, dass wir intelligent sind, müssen wir erkennen, dass es keine Lösung ist nicht miteinander klarzukommen. Das bringt uns nur dazu zu leiden. Wir sollten lernen, uns um einander zu kümmern. Das ist etwas so schönes! Miteinander auszukommen, sich umeinander zu kümmern. Das ist etwas, um das wir uns zu jeder Zeit bemühen sollten.
Was wir also lehren ist kein sektiererisches Verhalten. Manche von euch sind neu hier und wenn ihr seht, dass wir Niederwerfungen machen und ihr damit nichts anfangen könnt, dann müsst ihr das auch nicht tun! Ihr sitzt da und hört zu. Wenn ihr Buddhisten seid, nehmt ihr Zuflucht zu Buddha, Dharma und Sangha. Wir sind dankbar darüber, was er uns zeigen kann.
Normalerweise, wenn uns jemand verletzt hat und man möchte vergeben, oder die Sache gut bereinigen, sollte man das niemals mit einer Erwartung machen, sonst wird man enttäuscht werden. Du solltest freudvoll sein und dich erinnern: „Ich möchte vergeben, ich möchte tolerant sein“. Damit folgst du dem richtigen Weg. Man kann nicht sagen, dass du meditierst, aber du folgst dem richtigen Weg. Deswegen erinnere ich euch alle daran „ihr habt die Wahl!“.
Wenn ich sage, ihr habt die Wahl, heißt das, dass ihr während der Meditation untersuchen könnt, welche Art zu denken euch emotional beeinflusst. Welche Art zu denken macht euch zu einem verärgerten Menschen? Wenn ihr das erkennt, solltet ihr es schrittweise aufgeben. Und untersucht auch, welche Art zu denken euch zu einem glücklichen Menschen macht? Denn nur eine glückliche und freudvolle Person kann anderen Menschen helfen. Als verärgerter Mensch, als emotionale Person, ist man nicht in der Lage jemandem zu helfen, egal wie sehr man das auch möchte. Es ist nie etwas falsch daran freudvoll zu sein. Denkt immer daran, „Ich habe die Wahl, es liegt in meiner Hand“. Sprich nie davon zu kontrollieren. Sprich nie von etwas zu unterdrücken.
Emotionen sind nicht leicht zu überwinden. Sie haben keine Form, keine feste Erscheinung. Es gibt nichts, das man wegstoßen oder unterdrücken könnte. Aber du kannst dir selbst dabei helfen, indem du dich nicht darauf einlässt. Das ist alles Weisheit. Zuviel Wissen führt zu vielen Kopfschmerzen. Ohne Weisheit löst man keine Probleme. Du kannst niemals Weisheit durch Bücher oder Lehrer lernen. Weisheit kann wachsen indem man untersucht was Probleme löst, was die beste Art und Weise ist mit Dingen umzugehen, wie man jede Situation bewältigen kann. Weisheit ist etwas, das man nicht durch Bücher lernen kann, Weisheit ist etwas mit dem man gemeinsam wächst.
Frage: Wenn ich es schaffe nicht zu sehr verwickelt zu sein mit meiner Vergangenheit oder meiner Zukunft, wird mein Körper sehr präsent. Dann fühle ich meine Beine und dann tauchen wieder Emotionen auf. Ich spüre Schmerz, Wut, möchte mich bewegen, kann nicht ruhig sitzen bleiben. Gibt es einen Tipp für die Körperhaltung, für die Beine oder soll man Schmerzen irgendwie aushalten und dann wird es weniger über die Zeit hinweg?
Lama Yeshe Rinpoche: Alle Angewohnheiten, die du hast, hast du laut dem Buddhismus über viele Leben entwickelt. Und wenn du nicht an den Buddhismus glaubst, hast du zumindest die Angewohnheiten entwickelt seit du ein sehr kleiner Mensch warst, seit du ein Baby warst.
Und jetzt sitzt ihr alle plötzlich hier und ich kann erkennen, dass das Sitzen etwas schwierig für euch ist. Erlaubt euch die Zeit. Wenn ihr in der Gegenwart seid und euer Körper möchte, dass ihr das Bein ausstreckt, dann streckt das Bein aus! Ihr seid nicht angekettet, es gibt also keinen Grund verärgert zu werden. Wieso sollte man sich ärgern? Der Grund ist, dass man immer sofort etwas erreichen möchte. Wie Instant-Kaffee.
Aber es gibt keine Instant-Erleuchtung, okay? Es braucht Zeit. Vorher hattet ihr etwas, mit dem ihr euch beschäftigen konntet, sei es Ärger, oder andere Emotionen, oder sonst was. Plötzlich habt ihr nichts mehr zu tun und fragt euch, was jetzt? Und ihr möchtet euch wieder mit den Emotionen auseinandersetzen. Aber es ist nicht so, als ob ihr das euer ganzes Leben lang machen müsstet! Wir sprechen hier von 10 Minuten. Ihr werdet euch verbessern und schrittweise werden die Beinschmerzen weggehen. Für viele Menschen macht der Geist Schwierigkeiten, wenn sie meditieren, und dann finden sie viele Probleme. Aber wenn euer Geist sehr friedvoll ist, dann verschwindet der Körper einfach und hat keine Schmerzen mehr. Nehmt euch die Zeit und dann wird es okay!
Inspiration von Lama Yeshe Rinpoche
Obwohl Lama Yeshe den Buddhismus als etwas Wunderbares betrachtet, gehen die Buddhisten nicht davon aus, dass nur sie gute Menschen seien, sondern sie sehen in jedem Lebenswesen ein inneres Potenzial und einen inneren positiven, guten Kern. Es gibt da keine Unterschiede. In dem Sinn ist der Buddhismus eine universelle Lehre, die lehrt, sich gegenseitig zu helfen und sich nicht gegenseitig zu verletzen. Im Buddhismus lernen wir, unser Herz für alle Wesen zu öffnen. Buddhismus lehrt uns Herzensgüte, Mitgefühl und Hilfsbereitschaft.
Uns geht es aber so, dass wir einerseits vielleicht denken, wir könnten oder praktizierten dies oder jenes bereits, aber andererseits haben wir oft die Tendenz, uns selbst schlecht zu machen, uns für nicht gut genug zu halten und zu denken, nichts würde uns gelingen. Buddha lehrt uns, dass wir nicht bewerten sollen. Unser Fehler ist, dass wir uns selbst zu sehr bewerten und denken, wir seien nicht gut genug. Dadurch werden wir unzufrieden und fühlen uns schlecht. Deshalb ist es wichtig, dass wir uns daran erinnern, dass wir genauso gut wie Buddha sind, dass wir genau das gleiche Potential in uns haben und dass es nur unsere Gewohnheit ist, alles so sehr als solide und unabänderlich zu betrachten und alles zu bewerten. Dies sind lauter Gewohnheiten, mit denen wir uns das Leben selbst schwer machen