Kagyu Samye Dzong Kirchheim e.V.

Über die Notwendigkeit, Achtsamkeit in Ihren gesamten Alltag einzuführen

Es wird gesagt, dass wahre Meditation „Nicht-Meditation“ ist. Die Leute haben das Gefühl, dass sie etwas tun müssen, wenn sie meditieren. Eigentlich bedeutet Meditieren, dass du nichts tust. Wir sind uns nur all unserer Gedanken und allem, was in uns auftaucht, bewusst, ohne Anhaftung oder Verurteilung. Wir bleiben uns dessen bewusst, was passiert.

Meditation ist wie ein Mensch, der ein Pferd trainiert. Man muss wissen, wie man ein Pferd trainiert und sicherstellen, dass es nicht davonläuft. Der Trainer führt das Pferd, aber während er führt, gibt er dem Pferd die Freiheit, sich zu bewegen. Wenn das Pferd unachtsam wird, muss er es nur kurz erinnern. In ähnlicher Weise ist Meditation eine Erinnerung daran, die ganze Zeit achtsam zu sein. Die Hauptsache, an die man sich immer erinnern muss, ist, den Geist in den gegenwärtigen Moment zu bringen.

Unser Leben ist schon sehr kompliziert. Wir wissen nicht, wie man einfach ist. Zumindest können wir die Einfachheit nicht akzeptieren, wenn wir es wissen. Wir müssen immer aktiv sein, wir müssen etwas tun. Zum Beispiel sagen die Leute: „Ich bin heute zu müde, ich kann nichts tun.“ Anstatt zu sitzen und die Seele baumeln zu lassen, gehen sie aber laufen oder joggen oder Rad fahren. Auf der einen Seite sagen sie: „Ich bin zu müde“, aber auf der anderen Seite entscheiden sie sich für ein sehr beschäftigtes Leben, um die Müdigkeit zu überwinden.

Um zu erkennen, dass es uns viel besser geht, müssen wir harte körperliche Arbeit leisten. Wir erlauben uns nicht, geistige Arbeit auf diese Weise betrachten. Wenn Teenager die Schule satt haben, sagen sie, dass sie zu müde sind und ihr Studium nicht machen können. Wenn man sich ansieht, was sie tun, werden sie tanzen, vielleicht die ganze Nacht ohne Unterbrechung, und fühlen sich sehr frisch. Sie ruhen nicht, um frisch zu sein. Um frisch für das Studium zu sein, müssen sie ein sehr beschäftigtes Leben haben.

Wenn wir so denken, und wenn wir sehr entspannt sein und meditieren möchten, dann werden wir feststellen, dass wir nicht meditieren können, indem wir einfach nichts tun. Wir müssen meditieren, indem wir beten, indem wir unseren Geist trainieren, um die richtigen Dinge zu denken. Wir machen dann viele verschiedene mentale Übungen, um die einfachen Dinge zu sehen. Es scheint dann, um einen Sinn für Einfachheit zu entwickeln, muss man einen sehr aktiven Geist haben. Wir können nicht aufhören, uns zu bewegen oder zu denken.

Auf dem spirituellen Pfad zu praktizieren bedeutet nicht, dass du nichts denken solltest, es bedeutet, dass du deinen Gedanken keinen Wert beimessen solltest. Manchmal versuchen wir, ein spiritueller Mensch zu sein, und wir denken, dass dies bedeutet, dass wir uns nicht bewegen sollten, nicht mehr nur ein ganz normaler Mensch sein sollten. Wir denken: „Ich muss anders sein als andere. Ich muss anders sein als ich vorher war.“ Dann machst du so viele dumme Dinge, vielleicht färbst du dir die Haare, um spirituell zu sein, oder du versuchst, dir einen Bart wachsen zu lassen und sehr seltsame Kleider zu tragen mit dem Gedanken, ein Heiliger zu werden! Wenn wir ein Heiligenbild sehen, sehen wir immer jemanden, der weiß trägt und einen langen weißen Bart hat, also beginnen wir, weiß zu tragen und einen langen Bart wachsen zu lassen.

Das hat nichts mit Verstehen oder Meditation zu tun. Selbst wenn wir versuchen, spirituell zu sein, verstehen wir manchmal nicht, was es bedeutet, ein spiritueller Mensch zu sein. Wir erschaffen eine künstliche Vorstellung davon und so geschieht ein permanenter Kampf. Wir meinen, weil wir vor drei Jahren angefangen haben mit dem spirituellen Weg, verdienen wir nun ein Zertifikat. Wir zählen die Jahre und Zahlen und denken: „Ich habe zehn Jahre meditiert, also habe ich ein bestimmtes Niveau erreicht. Ich muss eine bestimmte Identität haben, weil ich so viele Jahre praktiziert habe“. Aber nach diesen zehn Jahren blicken wir nicht auf die Art unserer Lebensqualität, sondern wir schauen nur auf die Jahre oder die Stunden. Das ist Verwirrung in unserem Leben.

Ich denke, wenn wir möchten, dass unser Leben einfach ist, aber einen gewissen Wert und Nutzen hat, dann sollten wir mit unseren Füßen auf dem Boden ankommen. Zunächst müssen wir lernen, ruhig zu sitzen und unseren Geist zu beruhigen, ohne uns so viele Sorgen zu machen. Wir machen uns so viele Sorgen um unser Leben, um unseren Reichtum, unsere Positionen, unsere Jobs und Pflichten; es gibt nichts, worüber wir uns keine Sorgen machen. Wann immer wir ein wenig Freizeit haben, sorgen wir uns um uns selbst, unsere Familien, unsere Kinder. Alles, was wir betrachten, ist besorgniserregend.

Sorgen lösen keines unserer Probleme. Der einzige Weg, wie wir unsere Probleme lösen oder für uns selbst von Nutzen sein können, besteht darin, still zu sein. Wie ein steter Tropfen  keine große Menge auf einmal produziert, aber er ist nicht zu schnell oder zu langsam, nur konstant. Da er konstant ist, egal wie groß der Topf ist, wird dieser eines Tages voll sein. Aber wenn man nur einen Tag lang drei oder vier Eimer unter dem Tropf stehen lässt und dann zehn oder zwanzig Jahre lang nichts tut, wird man sehr wenig erreichen. Dies zeigt die Notwendigkeit von Beständigkeit und Sorgfalt. Aber unser Leben verändert sich ständig und wir finden keine Stabilität. Wenn wir keine Beständigkeit haben, besteht so viel Gefahr. Gefahr für unserem Leben, Gefahr für unsere Stimmung, alles das ist Teil des Leidens, das unser Leben durchzieht. Daher ist es sehr wichtig, die Vier Grundlagen zu verstehen, um wirklich meditieren zu können.

Aus „Limitless Compassion, A Way of Life“

  • Teaching angelegt von Frank
  • letzte Bearbeitung am: 8. Juli 2024