Das Erzeugen des Erleuchtungsgeistes
„Der Erleuchtungsgeist ist das Herz der Praxis von Sutra und Tantra. Er ist eine einfache Praxis. Mit Bodhicitta ist alles vollständig. Ohne Bodhicitta bleibt alles unvollständig“
Dilgo Khyentse Rinpoche
Darum machen wir am Anfang jeder Praxis zum Entwickeln der richtigen Motivation, das bedeutet zum Entwickeln des Erleuchtungsgeistes, das Zufluchts- und Bodhicittagebet.
Zufluchtsgebet
Ich nehme Zuflucht zu Buddha, Dharma, Sangha bis zum Erreichen der Erleuchtung. Durch die Praxis von den sechs Vollkommenheiten werde ich Erleuchtung erlangen, zum Wohle aller Wesen.
Die Motivation, anderen zu helfen, ist das eigentliche Anliegen sowohl der Zufluchtnahme als auch des Bodhichitta. Wenn vom Zufluchtnehmen die Rede ist, sollte man sich allerdings nicht einfach ein Ritual vorstellen, in dessen Verlauf jemand formell bei einem Meister Zuflucht nimmt. Sondern man beginnt, das eigene geistige Wohl durch die drei Kostbarkeiten (Buddha, Dharma und Sangha) zu entdecken und zu entwickeln. Das ist die wahre Bedeutung des Zufluchtnehmens.
Wenn wir in diesem Zusammenhang von Buddha sprechen, sollten wir unser Verständnis dieses Begriffes nicht auf die historische Persönlichkeit beschränken, die in Indien auftrat und eine bestimmte spirituelle Lebensart lehrte. Vielmehr soll unser Verständnis von Buddhaschaft auf Stufen spiritueller Erkenntnis und Verwirklichung beruhen. Buddhaschaft ist ein Zustand des Geistes, und deshalb dreht sich in der buddhistischen Praxis alles um die Entwicklung unseres Geistes. Es erhebt sich die Frage, wie ein Buddha entsteht. Wie erlangt man Erleuchtung? Wenn wir über Buddhaschaft nachdenken, taucht zwangsläufig die Frage auf, ob es für einen Menschen wie uns, überhaupt möglich ist, einen solchen Zustand zu erlangen, Erleuchtung zu erlangen, ein Buddha zu werden. Durch ein wachsendes Verständnis des Dharma, also der Lehre Buddhas, können wir Buddhaschaft und Erleuchtung besser verstehen.
Aber wenn es den Dharma gibt, gibt es auch die Sangha, alle jene, die die Richtigkeit dieses Weges selbst praktiziert und erkannt haben, sich auf dem Weg des Dharma befinden und ihn verwirklicht haben. Und wenn es im Sangha solche gibt, die einen Geisteszustand erlangt haben, in dem wenigstens die groben Schichten von Negativität und leidvollen Emotionen überwunden sind, dann können wir uns vorstellen, dass es vielleicht auch für uns möglich ist, einen Zustand zu erlangen, in dem Negativität und leidvolle Emotionen vollständig beseitigt sind. Ein solcher Zustand wird als Buddhaschaft oder Erleuchtung bezeichnet. XIV. Dalai Lama
Also ist Erleuchtungsgeist die Geisteshaltung, Einstellung oder Überzeugung, mit der wir daran arbeiten, Mitgefühl, Herzensgüte, Fürsorge für andere zu entwickeln. Dieser Erleuchtungsgeist ist das wunderbarste, das wir in uns stärken und entwickeln können Es ist eine Ausrichtung, ein Ziel im Leben, das uns größtes Glück, Zufriedenheit und Erfüllung bringen kann. Dies mag sich einfach anhören, aber sobald wir etwas tiefer überlegen, merken wir, wie vielschichtig Mitgefühl etc. sind, und wenn wir aufmerksam hinsehen, merken wir vor allem, wie sehr sich in unserem Leben alles um uns selbst dreht, wie schwer es uns fällt, weniger das eigene Wohl und mehr das Wohl der anderen zu verfolgen.
Theoretisch ist uns vieles klar, aber praktisch die eigene Sichtweise loszulassen, Unangenehmes in Kauf zu nehmen, damit es anderen besser geht, vielleicht sogar besser als uns selbst, ist etwas anderes. Darum werden wir auch immer wieder daran erinnert, uns bewußt zu machen, warum wir am Anfang jeden Gebets, jeder Meditation oder Praxis das Zufluchtsgebet machen. Denn die Frage ist: „Prakiziere ich wirklich dafür, so schnell wie möglich Erleuchtung zu erlangen, um eben dadurch in der Lage zu sein, anderen mit meinem größtmöglichen Potential zu helfen, oder geht es mir eigentlich, wenn ich ehrlich bin, doch nur darum, selbst zufriedener zu werden, indem ich meine Probleme, Schwierigkeiten überwinde, um dann wie gewohnt, weiterzumachen? Will ich mich wirklich verändern oder spreche ich die Worte, aber eigentlich will ich so bleiben, wie ich bin, soll alles so bleiben, wie es ist?“ Es fängt alles in unseren Geist an, und mit unserer Bodhicitta-Motivation.
Wir können uns nicht von nichts und von niemandem befreien, bis wir uns nicht selbst befreit haben.Tai Situpa Rinpoche
Bodhisattva Gebet
Mögen alle Wesen glücklich sein und die Ursachen von Glück erleben. Mögen sie frei sein von Leid und den Ursachen von Leid. Mögen sie nie von wahrem Glück getrennt sein, das frei ist von allem Leid. Mögen sie im Zustand der Unparteilichkeit verweilen, frei von Anhaftung und Abneigung.