Kagyu Samye Dzong Kirchheim e.V.

Aktuelles

Samye Dzong daheim Nr. 24

  • von: Ani Semchi
  • Datum: 04. September 2020

Inspirationen für schwierige Zeiten

Willkommen zur 24. Ausgabe des Rundbriefs

Where there is great love, there are always miracles.
Wo große Liebe herrscht, geschehen Wunder.

Gerechtigkeit in bezug auf Nahrungsmittel

Nahrungsmittel gehören zu einem Bereich unseres Lebens, in dem wir direkt die Freundlichkeit, die wir von anderen erfahren, erleben. Hier können wir unsere Abhängigkeit von der Erde und von der Gesellschaft, in der wir leben, besonderes leicht erkennen.Immer wenn wir eine Mahlzeit zu uns nehmen, nehmen wir ein Geschenk der Erde und der Menschen, die sie uns ermöglicht haben, an. Mit jedem Bissen schmecken wir, wie wir von allem Lebendigen und dessen Wohlwollen abhängig sind.

Nahrungsmittel sind Ausdruck der umfassenden Großzügigkeit, welche die Erde uns entgegenbringt. Sie vereinen alle Aspekte unserer engen Verbundenheit mit der Umwelt in sich. Jede Mahlzeit, die auf unserem Tisch landet, ist das Ergebnis eines langen und komplexen Zusammenwirkens vieler Menschen, Pflanzen und Tiere. Dazu kommen die Wolken und der Boden. Letztlich trägt die ganze Welt dazu bei, das Essen zu produzieren, von dem unser Überleben abhängt. Tag für Tag, unser ganzes Leben lang, hängt jede unserer Mahlzeiten von einer langen Kette von vielfältigen Bedingungen und Interaktion ab. Leider beinhalten viele der daran beteiligten Systeme die Ausbeutung von Menschen, Tieren und der Umwelt. Ob wir uns dessen bewusst sind oder nicht, wir essen die Nebenprodukte dieser Ausbeutung. Deshalb tragen wir die Verantwortung für das Leid von Tieren und Menschen, das in diesem Produktionsprozess entsteht.

Das heutige Welternährungssystem, das uns eigentlich alle ernähren sollte, schädigt stattdessen sowohl uns, als auch andere Lebewesen und die Umwelt und lässt viele Menschen hungern. Es ist höchste Zeit, dass wir darüber nachdenken, was wir essen und wie die Gesellschaft, in der wir leben, Nahrungsmittel produziert und verteilt.
(S. H. XVII Karmapa Ogyen Trinley Dorje, Das Edle Herz – Die Welt von innen verändern)

Einige Gedanken zum Leiden

Viele Menschen wundern sich, dass es im Buddhismus scheinbar so viel um Leiden geht. Aber es ist eine Tatsache, dass wir alle im Leben zu verschiedenen Zeiten Krankheit, Alter, Einsamkeit, Enttäuschung erfahren und ständig den Prozess der Veränderung erleben.
Niemand mag dieses Thema: Leiden! Oh Nein! Viele beschweren sich über den Buddhismus, weil er immer über Leiden spricht und sie meinen: „Ich habe schon genug Leiden, ich will nicht noch mehr“. Wir müssen uns aber anschauen, was hier gemeint ist. Der Buddha sprach zwar in seiner ersten Lehrrede über Leiden. Aber er sagte nie, dass wir leiden sollten.
Wir müssen verstehen, dass Samsara aus Leiden besteht, und wir, solange wir in diesem Kreislauf der Existenzen gefangen sind, niemals wirkliches Glück finden werden.
Deshalb lehrte er, „erkennt das Leiden, betrachtet und versteht es.“ Es ist ein Unterschied ob man sich dem Leiden unterzieht, der ob man es versteht.
Natürlich erkennen wir alle Leid und Unglück, deshalb wollen wir es ja auch loswerden. Aber dieses einfache Verständnis reicht nicht aus. Wir müssen genauer hinschauen und tiefer erforschen. Dadurch erkennen wir, wie der Buddha es lehrte, die verschiedenen Arten von Leiden.

Wir sehen, dass alle Wesen, egal ob sie reich oder arm sind, gebildet oder nicht, religiös oder nicht, Glück suchen und Leiden, Probleme, Unglück loswerden wollen. Jetzt ist aber die Frage, ob wir deshalb das Leiden verleugnen wollen, oder beschließen, es genau zu betrachten. Das Leiden zu verleugnen, kann vielleicht für eine Weile Erleichterung verschaffen, aber es ist so, als ob man versucht, ein Feuer mit Zeitungspapier abzudecken. Wie lange wird der Effekt dauern? Verleugnen bringt keine dauerhafte Erleichterung. Besser ist, unser Leben und unsere Erfahrungen zu betrachten und mit der Lehrrede Buddhas zu vergleichen: ist Verleugnen hilfreich und funktioniert es, oder ist Erkennen besser?
Am Anfang wird es vielleicht etwas unangenehm sein, aber wenn wir das Feuer anschauen, können wir es mit Wasser dauerhaft löschen. Wir werden die Wurzel erkennen, und sie beseitigen. Der Buddha sagte: „Erkenne das Leiden, gib seine Ursache auf.“ Deshalb lehrte der Buddha die Zweite Edle Wahrheit, um die Wurzeln des Leidens zu überwinden.

Dabei fragen wir: „Was ist dieses Leid überhaupt, was steckt hinter dem für uns leicht wahrnehmbaren Leiden, hinter allen unseren Problemen, was ist die Wurzel dafür? Wie können wir die subtilere Ebene verstehen, das Alles-durchdringende Leiden.Und was ist das Alles-durchdringende Leiden?“ Es entsteht aus Angst, der grundlegenden Angst, dass wir das, was uns glücklich macht, nicht erhalten, und dass wir Zustände erleben müssen, die für uns schwierig und schmerzhaft sind. Schauen wir uns das gewöhnliche, vermeintliche Glück genauer an: dieses Glück enthält das Alles-durchdringende Leiden, denn es ist Angst darin enthalten: die Angst, das Glück zu verlieren, und dem zu begegnen, was wir nicht mögen. Diese Angst ist die gleiche, ob wir ein König oder ein Bettler sind. Diese grundlegende Angst ist die gleiche für alle Wesen und sie ist berechtigt, denn da unser Glück immer von Bedingungen und äußeren Dingen abhängig ist, wird es sich zwangsläufig verändern.
Deshalb geht es bei allen buddhistischen Lehren und Methoden darum, diese Tatsachen des Lebens zu erkennen und durch die Erkenntnis der Wurzeln des Leidens, so viel inneren Halt, Stabilität, Klarheit, Zufriedenheit, also das Glück in uns, zu entwickeln, dass wir von äußeren Bedingungen unabhängiger werden.

Das Erzeugen des Erleuchtungsgeistes (Wurzel des Mahayana)

Den Geist in den vier grenzenlosen Eigenschaften üben
Meditation über Mitfreude – Sich an Gutem erfreuen

Im Buddhismus gehen wir davon aus, dass Glück aufgrund entsprechender Ursachen entsteht, und diese Ursachen sind gute und heilsame Handlungen. Damit wir wirklich heilsam handeln können, ist es wichtig, die verschiedenen Arten heilsamer Aktivitäten, ihre Ursachen und Resultate zu kennen.
Was ist der Schlüssel für das Ergebnis jeglicher positiver Handlungen? Es ist Mitfreude. Mitfreude bedeutet, dass wir automatisch glücklich und froh sind, wenn es anderen Menschen gut geht, wenn sie Erfolg haben, wenn sie erhalten, was sie sich wünschen. Außerdem freuen wir uns, wenn wir Zeugen hilfreicher, mitfühlender Handlungen werden, oder wenn wir etwas darüber erfahren.
Wir können unserer Mitfreude durch Körper, Rede und Geist Ausdruck verleihen. Unser Körper kann die Freude, die wir empfinden auf vielfältige Weise ausdrücken: vielleicht sind wir zu Tränen gerührt, wir lachen, oder wir fangen vor Freude an zu zittern. Mit unserer Rede können wir Lob aussprechen und andere bestätigen: „Was du da tust, ist wundervoll. Das ist großartig!“
In unserem Geist entsteht Freude ganz natürlich als Reaktion auf heilsame Handlungen, seien es unsere eigenen oder die der anderen. In diesen Zusammenhang ist Mitfreude ein wunderbares Gegenmittel gegen Neid und Eifersucht.
(S. H. XVII Karmapa Ogyen Trinley Dorje – Augenblicke der Erleuchtung, Seiten 76-78)

Patrul Rinpoche über die vier grenzenlosen Eigenschaften von Liebe, Mitgefühl, Mitfreude und Unparteilichkeit:

Die vier grenzenlosen Eigenschaften werden unweigerlich zur Ursache dafür, dass wahres Bodhichitta in euch entsteht. Darum müsst ihr euch so lange darin üben, bis sie tief in euch verwurzelt sind. Um es einfach auszudrücken, könnte man die vier grenzenlosen Eigenschaften mit dem Begriff „ein gutes Herz“ zusammenfassen.
Atisha betonte immer wieder, wie wichtig es sei, ein gutes Herz zu haben. Anstatt die Leute zu fragen: „ Wie geht’s?“, fragte er sie: „Hast du ein gutes Herz gehabt?“ Wenn er lehrte, fügte er am Schluss immer hinzu: „Habt ein gutes Herz!“ Übt euch darin, unter allen Umständen ein gutes Herz zu haben.

Darum meditiert ohne Unterlass diese „Vier Unermesslichen Qualitäten“, die Essenz des Mahayana-Weges:
Mögen alle Wesen glücklich sein, und die Ursachen des Glücks besitzen. (Liebe)
Mögen sie frei sei von Leiden und den Ursachen des Leidens. (Mitgefühl)
Mögen sie von wahrem Glück, das ohne Leid ist, nicht getrennt sein. (Mitfreude)
Mögen sie in großem Gleichmut verweilen, frei von Anhaftung und Abneigung. (Unparteilichkeit)

Ganz neu erschienen das Buch über das Leben von
Lama Yeshe Losal Rinpoche
„Von einem Berg in Tibet“

Lama Yeshe sah kein Auto, bis er fünfzehn Jahre alt war. In seinem ruhigen Dorf rannten er und andere Kinder mit Yaks und Mastiffs durch die Felder. Der Lebensrhythmus wurde durch die Jahreszeiten verankert.

Die Ankunft chinesischer Armeewagen im Jahr 1959 veränderte alles. Nach dem furchtbaren tibetischen Aufstand floh er als Flüchtling über den Himalaya nach Indien. Als einer der 13 Überlebenden von 300 ursprünglich Flüchtlingen, verbrachte er die nächsten Jahre in Amerika, und erlebte die Exzesse der Woodstock-Generation, bevor er sich in Europa veränderte.

Jetzt in seinen siebziger Jahren und als führender Mönch im Samye Ling-Kloster in Schottland – dem ersten buddhistischen Zentrum im Westen – wirft Lama Yeshe einen hoffnungsvollen Rückblick auf sein bedeutsames Leben. Von seinen Erkenntnissen über Disziplin und Mitgefühl mit sich selbst, bis zu seinen Prüfungen und Schwierigkeiten mit Verlust und Misserfolg, spiegelt seine ergreifende Geschichte unsere eigenen Kämpfe wieder.

Mit Gelehrsamkeit und Humor geschrieben, beleuchtet From a Mountain in Tibet, wie die verzweifeltste Situation uns helfen kann, wichtige Lektionen für das Leben aufzudecken, und dauerhaften Frieden und Zufriedenheit zu erreichen.
https://www.penguin.co.uk/authors/142548/lama-yeshe-losal-rinpoche.html

Belehrung von Tai Situpa

am Sonntag 6. Sept. 2020
5:00 – 6:30 pm indische Zeit:
‘’What Is Freedom ‘’
Registration open for those needing translation via Zoom from Saturday 29th August until Saturday 5th September.
Please send an email to palpungirelandinfo@gmail.com
Your email Title should be in English
All English speaking participants should access the transmission live on Palpung Ireland’s YouTube channel.
The Direct Link: https://www.youtube.com/channel/UCAZ0ZTnGQEqbgoiDiUPra4Q
Important: Only participants who need a translation should register for the Zoom webcast. If you don’t need any translation please do not register for Zoom because of capacity limitation

Einige Inspirationen zum Anschauen und Anhören

Dalai Lama’s guide to happiness 8 min
https://www.youtube.com/watch?v=IUEkDc_LfKQ
Dalai Lama speaks out on COVID-19 12 min
https://www.youtube.com/watch?v=NEWqRcy-6Wg
Buddha’s Wonderful Words | Its Amazing really!! 24 min
https://www.youtube.com/watch?v=E1xLj_7GahY

Ankündigungen

Ab Mitte September werde ich wieder in Kirchheim sein, wie die letzten Jahre Retreat machen, aber auch die Meditationsgruppen weiterführen und, soweit wie möglich, verschiedene Veranstaltungen anbieten.
Geplant ist am 3./4.Okt.20: Studienkurs 2. Jahr Block 1
Im zweiten Jahr des 3-jährigen Studienkurses beschäftigen wir uns mit dem Mahayana-Buddhismus. Es geht darum, einen Überblick zu erhalten über dieses große Fahrzeug, die Sichtweise, die Ziele und Methoden.
Neue Teilnehmer können gerne einsteigen und Teilnehmer früherer Kurse wieder teilnehmen. Alle, die teilnehmen möchten, bitte bei Ani Semchi melden. (Tanka_schnabel@hotmail.com)

Anfängermeditation
Ab September finden wieder regelmäßig 4-wöchige Anfängerkurse im Zentrum statt. Beginn jeweils am 1. Mittwoch im Monat.

  1. Termin: Mittwoch 2.9.2020 18.30 – 19.15 h
    Anmeldung bei Ani Semchi (Tanka_schnabel@hotmail.com)

Veranstaltungen über Zoom Online
Fortlaufende Meditationsgruppe mit Zoom online
dienstags 19.30-20.45 h
Link: https://us02web.zoom.us/j/81843424571
Meeting ID: 818 4342 4571
Die Gruppe ist für alle Interessierten offen.
Für weitere Informationen an Tanka_schnabel@hotmail.com schreiben.

Aufbaugruppe
Nächstes Treffen für alle Teilnehmer früherer Studienkurse und auch Interessierten, für die Buddhismus nicht ganz neu ist:
Samstag 5. September 2020 16 – 17.30 h
Bitte schreibt mir, damit ich den Link zuschicken kann.

Durch alles Positive, erzeugt durch unsere Praxis,
mögen alle negativen Geisteshaltungen überwunden werden
und mögen alle Wesen befreit werden vom Ozean des Samsara, dem Kreislauf der Existenzen,
aufgewühlt durch die Wellen von Alter, Krankeit, Geburt und Tod.