Kagyu Samye Dzong Kirchheim e.V.

Aktuelles

Samye Dzong daheim Nr. 23

  • von: Ani Semchi
  • Datum: 20. August 2020

Inspirationen für schwierige Zeiten

Willkommen zur 23. Ausgabe des Rundbriefs

Motivation
„ Wenn wir an der Sorge um belanglose Dinge festhalten und niemals nach Großem streben, werden wir nicht viel vollbringen. Was ist gering, unbedeutend und was ist groß? Gering steht dafür, nur für das eigene Wohl und die eigene, unmittelbare Befriedigung zu sorgen, außerdem steht es auch für schädliche Taten. Groß bedeutet, seine Handlungen auf das, was nachhaltig und langfristig Nutzen bringt, zu konzentrieren und für positive Zielsetzungen. Schau genau hin – was hast du, oder haben die Menschen um dich herum, im Leben bisher erreicht? Beginne, eine triviale und kleinliche Sichtweise zu verändern, und strebe nach großen Dingen!“
(S. H. XVII Karmapa Ogyen Trinley Dorje)

Einige Gedanken zu Glück von S.E. XII Tai Situ Rinpoche

Ob du glücklich bist oder nicht, liegt in deiner Hand. Du musst dich entscheiden, ob du glücklich sein willst. Und wenn du dich entscheidest mitfühlend, hingebungsvoll, freundlich, aufgeschlossen, aufrichtig und authentisch zu sein, dann wirst du glücklich sein. Das versichere ich dir.
Natürlich helfen uns äußere Umstände, aber suchen wir unser Glück nur in äußeren Dingen wie Erfolg, Besitz, Macht oder Freundschaften, wird es sehr schwierig sein, wirklich dauerhaft glücklich zu werden. Man muss innerlich glücklich sein. Wenn wir das Glück nicht in uns finden, kann nichts von außen etwas bewirken.
Tatsächlich werden äußere Dinge, die uns heute glücklich machen, morgen ganz sicher nicht mehr genau so sein. Und übermorgen könnten sie sogar die Ursache unseres Leidens werden. So etwas passiert öfters, das zeigt uns die Geschichte.
Brüder und Schwestern auf der ganzen Welt – seid glücklich, indem ihr die Verkörperung von Freundlichkeit, Mitgefühl, Liebe und Weisheit seid. Ich kann euch eines mit vollstem, hundertprozentigem Vertrauen sagen: all diese Qualitäten sind in euch.
Brüder, Schwestern – es ist in euch, ich garantiere es euch, ich sage es und stehe vollkommen dahinter. Es ist in euch. Wenn du ein Buddhist bist, dann ist Buddha in dir. Und wenn du einem anderen Glauben vertraust, dann ist all das, was großartig und vollkommen ist, in dir. Es ist in dir, nicht irgendwo dort draußen.
link zum Thema:
https://www.youtube.com/watch?time_continue=6&v=Ad94Vj59uH0

„Lang ist für den Schlaflosen die Nacht.
Lang ist für den Erschöpften eine Meile.
Für Narren, in Unkenntnis des wahren Dharma, ist Samsara lang.“
(Dhammapada, Vers 60)

Gedanken zum wertvollen menschlichen Leben

Wenn wir nicht schlafen können, scheint die Nacht nie zu Ende zu gehen. Wir wälzen uns von einer zur anderen Seite, schauen auf die Uhr – es sind nur zwei Minuten vergangen. Diese Nacht dauert eine Unendlichkeit, bis endlich Morgen ist. Eigentlich wissen wir, dass diese Nacht eben nicht unendlich andauert, wir wissen, dass der nächste Sonnenaufgang nicht mehr fern ist – und doch drehen wir uns ungeduldig im Bett hin und her. Wir wünschen uns ein schnelles Ende der Schlaflosigkeit herbei, entweder, indem wir endlich wieder einschlafen oder durch den Anbruch des neuen Tages. Was aber, wenn diese eine Nacht die einzige Zeit wäre, die wir hätten, um unserem Leben Sinn zu geben? Würde sie uns dann immer noch unendlich erscheinen? Wäre diese Nacht dann wertlos oder würde sie kostbar für uns?

Meistens nehmen wir unser Leben als eine Selbstverständlichkeit hin: Wir sind als Menschen geboren, das ist eben so. Aber dieses Leben, dieser menschliche Körper ist keine Selbstverständlichkeit, sondern das Ergebnis aus Verdiensten früherer Leben. Dieser menschliche Körper gibt uns die Fähigkeit, den Dharma zu studieren und zu praktizieren.
Andere Wesen sind in unvorteilhaftere Zustände hineingeboren, so dass sie diese Gelegenheit nicht haben. Die Höllenwesen leiden unter Hitze und Kälte; die Geister werden von Hunger und Durst gequält; Tiere sind wegen ihrer Verwirrtheit nicht zum Verständnis des Dharma fähig; langlebige Gottheiten sind durch weltliche Vergnügungen und die Erfahrung des Samadhi (Einspitzigkeit des Geistes während der Meditation) abgelenkt; „Barbaren“ (wie Jamgon Kongtrul sie nennt) leben in vom Buddhismus nicht erreichten Gebieten; Häretiker vertreten eine falsche Auffassung oder haben eine Abneigung gegenüber dem Dharma; in einem dunklen Zeitalter Geborene haben gar keinen Zugang zum Dharma, da es keinen Buddha gibt, der den Dharma lehrt; wer körperlich und geistig so beeinträchtigt ist, dass er weder Dharmabelehrungen hören noch verstehen kann, hat auch keinen Zugang zur Lehre.

Möglicherweise erscheinen die Schilderungen mancher Daseinsbereiche etwas fantastisch. Die Leiden der Höllenwesen, Geister und Tiere kann man bei der Reflexion allerdings auch in unserem Leben ausmachen. Körperliche Leiden durch Hitze und Kälte kennen wir alle (schließlich beklagen wir uns bei jeder Hitzewelle und können an fast nichts anderes mehr denken als uns Kühlung zu verschaffen) oder wir können uns vielleicht vorstellen, welche schrecklichen Qualen man in der Hitze eines Feuers erleiden müsste. Auch die Anhaftung an weltliche Genüsse, die die Geister quält, ist uns allen aus eigener Erfahrung bekannt. Und wenn wir einmal ganz kritisch mit uns selbst sind, so sehen wir unter Umständen auch, dass wir in mancher Hinsicht wie Tiere aus Angst lieber in der „Herde“ bleiben und eher unseren Angewohnheiten folgen als eine Veränderung herbeizuführen, die wir in der Reflexion als wichtig erkannt haben.

Die weltlichen Vergnügungen, denen die langlebigen Gottheiten sich widmen, sind bestimmt jedem von uns ein Begriff: Wer hat nicht gern eine gute Zeit, genießt Unbeschwertheit und Sorgenlosigkeit? Warum allerdings Samadhi, Leiden hervorrufen kann, das benötigt genauere Betrachtung. Die Erfahrung der Einspitzigkeit des Geistes führt bei den Gottheiten dazu, dass sie diesen Zustand des dauerhaften Friedens nicht mehr verlassen wollen – dies ist aber für eine Weiterentwicklung notwendig. Die rechte Konzentration auf eine Sache ist ein Werkzeug zur Erkenntnis und nicht das Ziel. Den langlebigen Gottheiten geht es auf den ersten Blick gesehen gut, denn ihr Leiden entsteht erst dann, wenn sie durch eine Wiedergeburt in einen niedrigeren Daseinsbereich nicht wieder dieselben Erfahrungen machen können. Für uns ist aber vermutlich gut vorstellbar, dass man nach einer besonders schönen oder erhellenden Erfahrung genau diesen Zustand immer wieder herbeiführen möchte, darüber aber den Sinn dieser Erfahrung vernachlässigt und umso mehr leidet, wenn man das Erlebte nicht wiederherstellen kann.

Unter „Barbaren“ braucht man nicht nur Menschen zu verstehen, die in Gebieten leben, die vom Dharma unberührt sind. Wir können sie möglicherweise in unserer Nähe finden: Menschen mit irriger Sichtweise, ohne Liebe, Güte und Fürsorge könnte man genauso gut als Barbaren bezeichnen. Ein Schlachthof ist auch als ein barbarisches Umfeld vorstellbar.
Häretiker oder Tirthikas haben keinen Glauben an Wiedergeburt und Karma, für sie ist eine Veränderung des Geistes sehr schwer. Wir müssen uns auch bewusst sein, dass jeder im Laufe seines Lebens ein Häretiker werden kann. Reflexion und Austausch mit anderen ist unabdingbar, wenn man Klarheit über sich und die eigene Haltung haben möchte – ein Häretiker strebt diesen Austausch nicht an, seine geistige Haltung ist unflexibel und festgefahren.

So betrachtet bedeutet das menschliche Leben zunächst einmal Leiden, doch es ist darüber hinaus auch überaus schwer zu erlangen. Jamgon Kongtrul verdeutlicht dies so: „Alle fühlenden Wesen haben die natürliche Neigung zu schädlichem Handeln; nur wenige handeln nützlich. Selbst bei diesen wenigen ist die Fähigkeit zu ethischem Verhalten, das zur Erlangung eines menschlichen Körpers notwendig ist, sehr selten. Als Folge davon sind die Wesen der drei niederen Daseinsbereiche [Höllenwesen, Geister, Tiere] ebenso zahlreich wie die Erdkörnchen im Boden, während Götter und menschliche Wesen überaus selten sind.“

Es ist also ein unendliches Glück, dass wir dieses menschliche Leben zur Verfügung haben. Darauf sollten wir allerdings nicht stolz sein, sondern es lieber sinnvoll nutzen. Diese Gelegenheit, den Dharma zu praktizieren und zu studieren, die uns das menschliche Leben bietet, sollten wir unseren Möglichkeiten nach mit der richtigen Motivation auch wahrnehmen, um etwas aus diesem Leben zu machen. Die Wiedergeburt als Menschen hält die besten Voraussetzungen zur Entwicklung für uns bereit, denn wir sind in der Lage, zu studieren und zu reflektieren. Diese Aufgabe ist nicht immer einfach, denn Veränderung und Entwicklung bedeutet auch Schmerz. Müssen wir vielleicht erkennen, dass die Motivation hinter unserer Großzügigkeit nicht uneigennützig ist? Ist es nötig, eine schwere Zeit erneut zu durchleben, um sich selbst oder anderen zu verzeihen? Warum bereitet es uns Schwierigkeiten, unparteilich allen Wesen, auch den unangenehmen, Glück zu wünschen?
Wir müssen keine „Narren“ sein, für die Samsara lange dauert, denn wir sind als Menschen selbst verantwortlich für unser Tun, und wir haben durch den Dharma alle Mittel dazu, uns zum Wohle aller Wesen zu entwickeln.
Beitrag von Sonja Molitor

Meditation über Mitgefühl

Da keine Praxis als die des Mitgefühls sich besser eignet, unsere vergangenen negativen Taten zu reinigen, und da wir durch Mitgefühl unweigerlich außerordentliches Bodhichitta entwickeln, sollen wir ausdauernd darüber meditieren.

Unser edles Herz des Mitgefühls
Die schmerzhafte Egobezogenheit, die alle unsere Beziehungen so kompliziert macht, kann gemildert werden, wenn du dich nicht nur mit anderen verbunden fühlst, sondern dich als Teil von ihnen empfindest. In deinen Begegnungen mit anderen werden dann wahre Nähe und tief empfundene Liebe möglich. Dadurch kann dein Leid vergehen, dein Mut kann wachsen und es kann deine Erfahrungen in der Welt, und deine Beziehung zu jedem einzelnen Wesen darin transformieren. So kann es dir gelingen, in vollkommener Harmonie mit der Welt zu leben. Das ist die höchste Form emotionaler Stabilität und dauerhaften Glücks.

In Tibet entwickeln wir die folgende Intention:
„Wenn ich glücklich bin, biete ich mein Glück den anderen dar.
Mögen meine Freude und Zufriedenheit die ganze Welt erfüllen.
Wo Leid existiert, möge ich in der Lage sein, es auf mich zu nehmen.“

Patrul Rinpoche – Die Worte meines vollendeten Lehrers, Seite 278

Es mag eine große Herausforderung sein, solch ein grenzenloses Mitgefühl zu entwickeln. Doch Mitgefühl ist nichts, was wir erst bekommen oder entwickeln müssen. Es existiert bereits in jedem von uns. Wie bösartig ein Mensch auch immer erscheinen mag, jedem wohnt Mitgefühl als integraler Teil der eignen Natur inne. Dies gilt für uns alle. Deswegen wird sich unser Mitgefühl nie erschöpfen. Es ist eine sich selbst erhaltend Kraft.
Obwohl Mitgefühl ein Teil unserer Natur ist, entwickeln und wenden wir es unterschiedlich an. Menschen haben unterschiedliche Neigungen und Wünsche, die den Ausdruck ihres Mitgefühls formen. Zunächst wird sich unser mitfühlendes Handeln innerhalb dieser Grenzen bewegen. Doch es gibt viele kontemplative Übungen, durch die wir unser Mitgefühl erweitern können. Wichtig dafür sind Wunschgebete, über unsere gegenwärtigen Grenzen hinauszugelangen, und in Zukunft besser für das Glück anderer sorgen zu können. Mein tiefster Wunsch ist es, dass all deine aufrichtigen Bestrebungen in der Zukunft in Erfüllung gehen mögen, und ich biete dir all meine Unterstützung dafür an.
S. H. XVII Karmapa Ogyen Trinley Dorje, Das Edle Herz – Die Welt von innen verändern

Ankündigungen
Ab 16. September werde ich wieder in Kirchheim sein, wie die letzten Jahre Retreat machen, aber auch die Meditationsgruppen weiterführen und, soweit wie möglich, verschiedene Veranstaltungen anbieten.

Geplant ist am 3./4.Okt.20: Studienkurs 2. Jahr Block 1
Im zweiten Jahr des 3-jährigen Studienkurses beschäftigen wir uns mit dem Mahayana-Buddhismus. Es geht darum, einen Überblick zu erhalten über dieses große Fahrzeug, die Sichtweise, die Ziele und Methoden.
Neue Teilnehmer können gerne einsteigen.
Alle, die teilnehmen möchten, bitte bei Ani Semchi melden (Tanka_schnabel@hotmail.com)

Anfängermeditation
Ab September finden wieder regelmäßig 4-wöchige Anfängerkurse im Zentrum statt. Beginn jeweils am 1. Mittwoch im Monat.

Termin: Mittwoch 2.9.2020
Anmeldung über die Email-Adressen am Ende des Rundmails.

Veranstaltungen über Zoom Online
Fortlaufende Meditationsgruppe mit Zoom online
dienstags 19.30-20.45 h
Link: https://us02web.zoom.us/j/81843424571
Meeting ID: 818 4342 4571
Die Gruppe ist für alle Interessierten offen.

Weiterhin Online auch:
Samstag morgens 7 – 8 Uhr
Die Praxis der Grünen Tara
Achtung neuer Link: https://us02web.zoom.us/j/82278999525

Aufbaugruppe
Nächstes Treffen für alle Teilnehmer früherer Studienkurse und auch Interessierten, für die Buddhismus nicht ganz neu ist:
Samstag 5. September 2020 16 – 17.30 h.
Bitte schreibt mir, damit ich den Link zuschicken kann.

Donnerstag Ngondro-Gruppe alle zwei Wochen
Drupon Rinpoche hat eindringlich auf die Wichtigkeit der 4 grundlegenden Kontemplationen als Grundlage und zur Vorbereitung für authentische Meditationspraxis hingewiesen. „Nichts ist wichtiger,“ betonte er eindrücklich, und so beschäftigen wir uns alle 2 Wochen mit diesen Gedanken.
Nächster Termin: Do. 27. August 2020 19.45 – ca. 21 h
Für alle, Anfänger und Leute mit mehr oder weniger Erfahrung.
https://us02web.zoom.us/j/88556313059
Meeting ID: 885 5631 3059

Meditationsgruppen im wieder geöffneten Zentrum
Montag und Mittwochabend: fortlaufende Meditationsgruppen
Jeweils 19.30 h bis 20.45 h
Donnerstagabend: stille Meditation und Chenrezig Puja
18 – 18.45 h Meditation und im Anschluss 18.45 – 19.30 h Chenrezig-Puja
Hygiene-Maßnahmen sind auf der Webseite nachzulesen: www.Kirchheim-Samye.org


Durch alles Positive, erzeugt durch unsere Praxis,
mögen alle negativen Geisteshaltungen überwunden werden
und mögen alle Wesen befreit werden vom Ozean des Samsara, dem Kreislauf der Existenzen,
aufgewühlt durch die Wellen von Alter, Krankeit, Geburt und Tod.