Kagyu Samye Dzong Kirchheim e.V.

Aktuelles

Samye Dzong daheim Nr. 16

  • von: Ani Semchi
  • Datum: 02. Juli 2020

Inspirationen für schwierige Zeiten

Willkommen zur sechzehnten Ausgabe des Rundbriefs

Einige Gedanken von Akong Rinpoche zu unserem wertvollen menschlichen Leben

Auf weltlicher Ebene sehen wir alle unser Leben als wertvoll an, und versuchen alles, es möglichst lange zu erhalten. Wir wollen reich, wohlhabend, schön, gesund sein und viele Freunde haben. Wir tun alles dafür, um uns vor Krankheit, Hunger, Kälte, Altern etc. zu schützen. Kann es sein, dass wir im Streben nach Beziehungen, Besitz, Arbeit, Unterhaltung, schöner Erscheinung den Sinn unserer Existenz verpassen? Auch Tiere streben nach Wärme, Nahrung, Annehmlichkeiten.
Es ist wichtig für uns zu realisieren, was wir alles erreichen können – für uns und andere! Ein Mensch kann so viel Nutzen bringen, wie die Vorbilder von Buddha oder von Heiligen anderer Glaubensrichtungen zeigen. Wir haben ein riesiges Potential. Aber auch nur wahre Zufriedenheit in uns zu finden, und das Glück auf andere um uns herum zu übertragen, ist schon etwas.

Normales Glück ist leicht verloren, ist meistens wie eine Sandburg, die nach kurzer Zeit von der Flut weggewaschen wird. Glück hingegen, das aus unserer inneren Entwicklung heraus entstanden ist, hat Stabilität, wächst ständig weiter und nützt anderen. Dieses Glück beinhaltet, dass wir lernen, anders mit Herausforderungen des Alltags umzugehen, wir begegnen ihnen mit Mitgefühl und besserem Verständnis. Wir sind uns im Klaren, dass wir ohne negative Umstände zu erleben, den Geist nicht zähmen können und grenzenloses Mitgefühl nicht lernen.

Weltliches Glück und das Glück eines geduldigen, stabilen Geistes sind sehr verschieden. Sind wir in der Lage, uns um uns selbst zu kümmern, können wir auch anderen helfen. Unser Leben wird sinnvoll, wenn wir anderen helfen können. Je mehr Menschen wir nutzen, umso wertvoller wird unser Leben. Dies gibt uns Zufriedenheit, Kraft und Stärke. Es ist wie bei der Autobatterie: je mehr das Auto gefahren wird, desto mehr lädt sie auf. Steht das Auto nur herum, entleert sich die Batterie, das Fahrzeug ist nutzlos, und kann seinen Zweck nicht erfüllen.

Wir sollten das Glück wertschätzen, dass wir einen Körper haben. Trotz unserer Probleme und Leiden können wir einen wertvollen Beitrag leisten für die Welt. Hat man authentischen und aufrichtigen Frieden, Unparteilichkeit und Stabilität im Geist, ist man überall glücklich, egal wo man lebt. Wenn wir dabei die große Motivation von Mitgefühl pflanzen und pflegen, heißt dies, dass wir die Gelegeheit und das Potential dieses Lebens wirklich nutzen, das so schwer zu erhalten ist. Nun wird es ein wirklich wertvolles Leben.
Da es uns schwer fällt, uns dies in der Eindringlichkeit wirklich klar zu machen, so dass wir auch entsprechend handeln und uns verhalten, haben wir im Buddhismus die Praxis der „4 grundlegenden Gedanken, die den Geist zur Dharmapraxis oder spirituellen Weiterentwicklung vorbereiten sollen“. Es geht dabei um das tiefe Nachdenken über das kostbare Menschenleben, Vergänglichkeit, Karma und das Unbefriedigtsein im Kreislauf der Existenzen.
Diese Kontemplationen sind nicht nur für Buddhisten unentbehrlich und essenentiell wichtig, sie sind für alle Menschen, die ihr kostbares Leben nutzen wollen, relevant. Sie helfen uns, für die Dharmapraxis und die authentische Meditation eine stabile Grundlage zu legen, und ständig motiviert zu bleiben, an unserer Entwicklung zu arbeiten.
Drupon Rinpoche sagt: „Nichts ist wichtiger!“

Fortsetzung des Berichts über Unwissenheit, Ignoranz, Dummheit

Unwissenheit und Dummheit beginnen im Mutterleib. Im Mutterleib brauchen wir uns um nichts kümmern. Wir schweben dort in einem Gefühl der Einheit mit der Mutter. Später im Leben sehnen wir uns zurück in diesen Mutterleib, des angenehme Gefühl, wo wir nichts zu tun brauchen, uns keine Sorgen über irgendetwas zu machen brauchen. Nun versuchen wir auf verschiedenen Wegen, diese Situation wieder zu finden.

Dummheit und Ignoranz können sich auf viele Weisen ausdrücken.
Zum Beispiel redet man viel, einfach um des Redens willen, auch wenn es gar keinen Sinn macht, oder irgendeine Wichtigkeit besitzt. Auch Tratschen gehört dazu. Ein Ausdruck ist auch extreme Faulheit, die sich ausdrückt im einfach Herumliegen, Fernsehen, in den Tag leben, der Passivität der Herde folgen. Man hat Angst, eigene Gedanken und Wege zu entwickeln und ist unfähig, Entscheidungen zu treffen. Es erscheint viel leichter, blind der Tradition und den Konventionen zu folgen, und, ohne zu hinterfragen, einfach mit der breiten Masse mitzufließen.

Positive Energie der Unwissenheit
Ignorante Menschen können sehr intelligent sein. Allerdings nutzen sie ihre Intelligenz nicht. Ihre Fähigkeit loszulassen, kann auch gute Aspekte haben, wenn an der richtigen Stelle eingesetzt. Je nachdem, um was es sich handelt, kann die Fähigkeit mitzufließen, ohne viel eigene Ideen und Vorstellungen durchsetzen zu müssen, sehr hilfreich sein. Leben die Menschen zum Beispiel in einer Gemeinschaft, fällt es ihnen leichter, sich der Gruppe unterzuordnen. Es ist die Energie, die dazu führt, dass wir unseren Sinn von Individualität verlieren, und wir uns vereint fühlen mit allen anderen. Man kann Dinge akzeptieren, wie sie sind.

Durch die Meditation kann man zurückfinden zu dem Gefühl, vereint zu sein mit dem ganzen Universum. Man fühlt sich angenehm wohl mit sich selbst. In gewisser Weise könnte die geistige Trägheit und Ignoranz dazu verhelfen, die besten Meditierenden zu werden. Denn in der Meditation versuchen wir, nicht von wilden Gedanken abgelenkt zu werden, sondern alles fließen zu lassen. Wir lassen die Gedanken fließen, aber wir erschaffen nichts Neues. Wir sind passiv,aber gleichzeitig voller Klarheit, Bewußtheit, Achtsamkeit.

Wenn wir Ignoranz in der Meditation nutzen und sie mit Klarheit des Geistes verbinden, erleben wir die richtige Meditation. Wenn wir versuchen zu meditieren, erkennen wir unsere unaufhörlich fließenden Gedanken. Nutzlose Gedanken sind ein Zeichen unserer Ignoranz. Normalerweise meinen wir, es ist sehr intellektuell, wenn wir viel denken, aber tatsächlich ist es ein Ausdruck mangelnder Klarheit. Weisheit bedeutet, die Dinge zu erkennen und augenblicklich zu verstehen. Es besteht keine Notwendigkeit, immer wieder hin und her zu überlegen. Tatsächlich ist ein Zeichen von Weisheit, dass keine Notwendigkeit besteht, so viel zu denken oder zu überlegen.

Heilmittel für Unwissenheit, Ignoranz, Dummheit.
Es gibt nur ein Heilmittel dafür, und das ist Weisheit. Das gesamte Dharma ist dafür da, dass wir uns anstrengen und daran arbeiten, Weisheit zu erlangen.
Meditation ist die wichtigste Methode und das wichtigste Hilfsmittel, um Unwissenheit zu überwinden, und Weisheit zu entwickeln.
Buddha sagte, dass wir seine Lehren nie unreflektiert einfach glauben sollen, nur weil er etwas lehrte. Im Gegenteil, er fordert uns auf, zu reflektieren und herauszufinden, ob seine Lehren wahr sind. Vertrauen ist für Anfänger wichtig, um sich auf die Dharmapraxis einzulassen, aber später wird es eher als dumm erachtet. Wir müssen hinterfragen, nicht blind glauben, nur weil jemand anderes etwas gesagt hat, ganz egal, um wen es sich handelt. Hingabe und Vertrauen müssen klare, reflektierte, und dadurch aus eignener Überzeugung heraus entstandene Hingabe und Vertrauen sein.

Die positive Seite von Ignoranz und Unwissenheit nutzen.
Wenn Dumheit bedeutet, sich in einer kleinen Nische zu verstecken und darin Zuflucht zu suchen, dann können wir nun Zuflucht suchen in erleuchteten Wesen. Wir können Zuflucht nehmen in das, was zu Klarheit führt. Wenn wir uns gerne Anführern unterordnen, entwickeln wir nun Hingabe, aber Hingabe, die auf Klarheit beruht. Mit der Tendenz, der Tradition zu folgen, folgen wir nun dem Gesetz von Karma, Ursache und Auswirkung, und den zehn heilsamen Handlungen.
Wir nutzen das Bedürfnis, in einem Zustand des Nichtstuns zu verweilen, um uns in die Meditation zu versenken, aber auch hier immer mit Klarheit im Geist. Wir lernen, den ganzen Intellekt maximal zu nutzen, dann erkennen wir, wie sehr wir uns selbst beschränken.

Für Buddhisten sind auch die Praktiken von Dorje Sempa und Chenrezig sehr hilfreich, denn sie helfen uns, von Dummheit und Ignoranz gereinigt zu werden und einen klaren Geist, verbunden mit Mitgefühl, zu entwickeln.

S.H. der Dalai Lama hat am 6. Juli Geburtstag
Anlässlich des 85. Geburtstages S.H. Dalai Lama hat die Filmemacherin Rosemary Rawcliffe eine Dokumentation über sein Leben produziert: „The Great 14th“: Tenzin Gyatso, The 14th Dalai Lama In His Own Words, Laufzeit: 82 Minuten.
Ab Juli wird der Film über Video on Demand-Streaming zu sehen sein.
Infos zum Film: www.thegreat14th.com
Zum Trailer: https://vimeo.com/358189409

Und hier noch eine Filmbesprechung von Gerald Blomeyer für Ethik Heute:
https://ethik-heute.org/das-glueck-liegt-in-uns/


Hörbücher vom Dalai Lama
Die Kunst des Glücklichseins Teil 1
DER SINN DES LEBENS – Howard C. Cuttler, Dalai Lama
https://www.youtube.com/watch?v=gdDvSYNLUoM&t=62s
Die Kunst des Glücklichseins Teil 2
MENSCHLICHE WÄRME UND MITGEFÜHL – Howard C. Cuttler, Dalai Lama
https://www.youtube.com/watch?v=azFxD3nfCMg&t=129s
Die Kunst des Glücklichseins Teil 3 1.45 h
DIE BEGEGNUNG MIT DEM LEID – Howard C. Cuttler, Dalai Lama
https://www.youtube.com/watch?v=3q-2Zbf6zJI&t=862s

Ein beweglicher Geist & die Wichtigkeit flexiblem DenkensGelassenheit finden Howard C Cuttler
https://www.youtube.com/watch?v=H0JwWfuIP40 12 min

Veranstaltungen über Zoom Online

Aufbaugruppe
Nächstes Treffen für alle Teilnehmer früherer Studienkurse und auch Interessierten, für die Buddhismus nicht ganz neu ist:
Samstag 4. Juli 2020 16 – 17.30 h.
Bitte schreibt mir, damit ich den Link zuschicken kann.

Achtung Neu! Ngondro-Gruppe alle 2 Wochen
Drupon Rinpoche hat wieder eindringlich auf die Wichtigkeit der 4 grundlegenden Kontemplationen als Grundlage und zur Vorbereitung für authentische Meditationspraxis hingewiesen. „Nichts ist wichtiger,“ betonte er eindrücklich.
Mit Teilnehmern des Kurses – aber auch gerne allen, die Interesse haben – beschäftigen wir uns nun alle 2 Wochen donnerstags mit diesen Gedanken.
Donnerstags 19.45 – ca. 21 h Nächster Termin 16. Juli 2020
Für alle, Anfänger und Leute mit mehr oder weniger Erfahrung.
https://us02web.zoom.us/j/88556313059
Meeting ID: 885 5631 3059

Fortlaufende Meditationsgruppe mit Zoom online
dienstags 19.30 – 20.45 h
Link: https://us02web.zoom.us/j/81843424571
Meeting ID: 818 4342 4571
Die Gruppe ist für alle Interessierten offen.

Weiterhin Online auch:
Samstag morgens 7 – 8 Uhr
Die Praxis der Grünen Tara
Achtung neuer Link: https://us02web.zoom.us/j/82278999525

Meditationsgruppen im wieder geöffneten Zentrum
Montag und Mittwoch Abend: fortlaufende Meditationsgruppen
Jeweils 19.30 h bis 20.45 h
Donnerstag Abend: stille Meditation und Chenrezig Puja
18 – 18.45 h Meditation und im Anschluss 18.45 – 19.30 h Chenrezig-Puja
Hygiene-Maßnahmen sind auf der Webseite nachzulesen: www.Kirchheim-Samye.org

Noch eine Bitte: Unterstützung für das Zentrum

Es ist uns ein großes Anliegen, so weit zu kommen, dass wir die Dharma-Veranstaltungen umsonst anbieten können.
Aber wir haben laufende Unkosten und müssen Kredite abbezahlen. Darum bitten wir Euch, nicht zu vergessen, dass wir auf finanzielle Unterstützung angewiesen sind.
Diese Unterstützung kann erfolgen:
durch regelmäßige oder in gewissen Abständen erfolgende Spenden.
durch Mitgliedschaft
durch Spende für das Projekt 1000 Buddhas für Kirchheim Spenden
(Bankverbindung siehe am Ende des Rundmails)

beim Einkauf bei Amazon durch angeben von unserem individuellen Charity Link https://smile.amazon.de/ch/69-042-05170
AmazonSmile kann nun auch im Menüpunkt „Einstellungen“ der Amazon Shopping-App für Smartphones mit Android-Betriebssystem aktiviert werden. Wie das geht, lest Ihr hier: AmazonSmile in der App aktivieren
Auf jeden Fall bitte das Zentrum als Projekt aussuchen, das die Spende erhalten soll.